Preuß weg, krise da: deutscher biathlon sucht verzweifelt neue heldin

Franziska Preuß genießt inzwischen Langlauftouren ohne Zeitmessung. Ihre Ex-Kolleginnen im DSV-Team dagegen laufen gegen die Uhr – und gegen ein Machtvakuum, das mit jedem verpassten Podest größer wird.

Die lücke ist größer als erwartet

Ohne Preuß fehlt nicht nur eine Athletin, sondern die Identität des gesamten Kaders. Die Bilanz der laufenden Saison liest sich wie ein Warnschreiben: kein Einzelsieg, kein Kristallkugel-Titel, keine deutsche Frau in den Top Ten der Gesamtwertung. Vanessa Voigt (Rang 16) ist beste DSV-Läuferin – drei Plätze hinter der bereits abgetretenen Preuß.

Sportdirektor Felix Bitterling nennt das „Sisyphos-Arbeit“. Gemeint ist: Jede Talentsichtung gleicht dem ewigen Steinrollen. Denn seit Magdalena Neuner 2012 aufhörte, folgte Laura Dahlmeier – danach übernahm Preuß das Zepter. Drei Generationen, ein Muster: Deutschland braucht eine Galionsfigur, sonst droht Mittelmaß.

Grotian und tannheimer: viel potenzial, wenig durchschlag

Grotian und tannheimer: viel potenzial, wenig durchschlag

Selina Grotian ist die einzige aktive Skijägerin mit Weltcup-Einzelsieg, doch nach dem Triumph in Kontiolahti 2025 kamen nur Platzierungen jenseits von Rang fünf. Julia Tannheimer, 21, flog als Juniorin hoch, verpasste aber bei der WM in Ruhpolding den Sprung aufs Podest. Beide gelten als „Kandidatinnen für die nächste Stufe“, wie Bitterling vorsichtig formuliert. Die Frage ist: Wann?

Der DSV setzt nun auf Quantität statt auf vermeintliche Einzeltalente. Statt einer neuen Neuner-Dahlmeier-Preuß will man eine Gruppe von vier bis fünf Läuferinnen, die sich gegenseitig auf Weltcup-Niveau pushen. Das Ziel: kein Star, aber auch keine Flaute.

Männer stecken im selben loch

Männer stecken im selben loch

Der letzte deutsche Männer-Einzelsieg datiert auf Benedikt Doll in Oberhof 2024. Seitdem patschen Selbstläufer-Routiniere wie Roman Rees und Philipp Nawrath hinter den Skandinaviern her. Neu dabei: IBU-Cup-Aufsteiger Leo Pfund, der in Finnland Weltcup-Luft schnupft. Seine Devise: „Keine Heldenrolle, aber Punkte statt Palaver.“

Die Zahlen sind bissig: 13 Rennen, nur drei Podestplätze – alles Relays. Ein Nationencup-Rang vier wäre heute schon Erfolg.

Preuß bleibt gelassen – und liefert die antwort

Preuß bleibt gelassen – und liefert die antwort

Die 32-Jährige sieht das Drama entspannt. Im BR-Interview lächelte sie: „Jede Sportart hat mal ihr Auf und Ab. Manchmal muss man mit dem Rücken zur Wand stehen, um sich dann weiterzuentwickeln.“ Gemeint ist: Druck kann auch Knetmasse sein – aus ihr formt sich der nächste Star. Die Uhr tickt trotzdem. In neun Monaten startet der neue Weltcup – und die DSV-Chefs wissen: Wenn bis dahin keine neue Heldin läuft, wird die Lücke zur internationalen Spitze zur Schlucht.