Prager ice-gala: malinins salto wirft die eisplatte hoch – und hase/volodin tränen

Prag schwitzte noch unter den Nachwehen der WM, da flog schon wieder ein Athlet durch die Luft – aber diesmal nicht um Medaillen, sondern um die Seele des Sports. Ilia Malinin zog sich das Hemd aus, setzte zum Rückwärtssalto an, und die O2 Arena explodierte, als hätte jemand das Dach abgenommen.

Malinins antwort auf olympia-frust: ein salto im unterhemd

Der 21-Jährige hatte in seiner Kür zwei Tage zuvor die Judges gelähmt – jetzt lähmt er die Konkurrenz mit Lässigkeit. Kein Druck, keine Wertung, nur pure Spielfreude. „Ich kann einfach nicht aufhören“, sagt er nach dem Auftritt, das Eis noch unter den Kufen zischend. Die Botschaft: Olympia war Drama, aber ich bin zurück – und ich bleibe.

Auch Amber Glenn riss sich los. Nach dem Sturz-Debakel in der Kür präsentierte sie sich als Lady Gaga auf Kufen: dunkler Lidschatten, schwarzer Spitzenbody, ein Programm, das die Fehler vergessen macht. Die Zuschauer skandieren ihren Namen, als wäre sie die Siegerin – und in diesem Moment ist sie es auch.

Hase/volodin tanzen auf dem vulkan – und wissen: das war’s vielleicht

Hase/volodin tanzen auf dem vulkan – und wissen: das war’s vielleicht

Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin hatten Gold um den Hals, aber Tränen in den Augen. Ihre Zukunft steht auf Messers Schneide: Verband, Sponsoren, Trainingsstandort – alles offen. Trotzdem warfen sie sich in die Lifts, als gäbe es kein Morgen. Als die Musik verstummt, umarmen sie sich 30 Sekunden lang, das Publikum klatscht im Takt des eigenen Herzschlags. Ein Abschied, der noch gar nicht offiziell ist – aber jeder spürt ihn.

Shun Sato und Kao Miura liefern sich ein kleines Battle auf Japanisch: Quad gegen Quad, Lächeln gegen Lächeln. Silbermedaillist Sato gewinnt die Technik, Miura die Show. Beide verbeugen sich synchron – und verraten: „Wir haben bis drei Uhr morgens geübt, damit keiner besser aussieht.“

Die kasse klingelt, die stars planen schon weiter

Die kasse klingelt, die stars planen schon weiter

Hinter den Kulissen kursieren die ersten Gehaltszettel: Malinin soll laut Agentur-Kreisen für die Sommer-Tour „Stars on Ice“ 85.000 Dollar pro Abend kassieren – plus Siegprämie, wenn er den Salto auch auf Hotelteppichen landet. Glenn nutzt die Gala für ein TikTok-Video, das binnen 90 Minuten 2,3 Millionen Views erntet – Sponsoren schreiben schon direkt in die DMs. Und Hase/Volodin? Ihre Manager warten nur auf das OK des DOSB – dann geht’s zu „Holiday on Ice“, wo Paarläufer wie Shuhei Pirouetten ziehen und das Publikum mit Rosen bombardiert.

Um 22:41 Uhr local time verlässt Prag die Arena – aber nicht die Emotion. Draußen stehen noch 400 Fans, ein Mädchen hält ein Schild hoch: „Ilia, marry me – I can land a Salto, too!“ Er unterschreibt, lacht, verschwindet im Bus. Die Eisfläche schmilzt langsam, aber das Gefühl bleibt gefroren: Sport ohne Medaille ist manchmal mehr wert als mit. Morgen fliegt die Crew ab, doch das Echo ihrer Kufen kratzt noch Tage durch die tschechische Nacht – und wer im Stadion war, weiß: Das hier war kein Schaulaufen, das war ein Versprechen auf die nächste Saison.