Popp fällt gegen lyon aus – wolfsburg ohne seine seele ins viertelfinal-feuer
Alexandra Popp wird nicht
mehr in Grün auflaufen. Der Frauenfußball verliert kurz vor dem Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Olympique Lyon eine seiner letzten echten Leuchttürme – und der VfL Wolfsburg die Spielerin, die in den letzten zehn Jahren seine DNA geprägt hat.Die verletzung kommt zur unzeit
„Muskuläre Blessur, mehrere Wochen außer Gefecht“, lautet die knappe Diagnose des Medizin-Departments, verkündet am Montag kurz nach dem Abschlusstraining. Für Popp bedeutet das: Abschied ohne großes Finale. Im Sommer wechselt sie zu Borussia Dortmund, in die Regionalliga, ausgerechnet jetzt, da die Titelchance greifbar war. Trainer Stephan Lerch spricht von „einem Riss, der durchs Herz geht“, und meint damit nicht nur die Muskelfasern im Oberschenkel.
Die Zahlen sind hart. 41 Champions-League-Tore stehen in ihrem Portfolio, nur Conny Pohlers erzielte mehr für den VfL. Ohne Popp verlor Wolfsburg in der laufenden Saison nur eines von acht Pflichtspielen – doch die Niederlage war jene gegen Lyon im Oktober (1:3), als Popp wegen eines Infekts fehlte. Ein Déjà-vu, das niemand im VW-Lager will.

Lyon wartet mit offenen armen – und jule brand
Die Französinnen reisen mit Jule Brand an, der ehemaligen Wolfsburgerin, die im Hinspiel (Dienstag, 18.45 Uhr, exklusiv bei Disney+) als Rechtsaußen für Aufruhr sorgen will. „Wir haben Respekt, aber keine Angst“, betont Lerch, doch die Ausfälle stapeln sich. Lena Lattwein (Knie) und Sophia Kleinherne (Muskelbündel) fallen ebenfalls raus, nur Camilla Küver meldet sich nach Corona-Infekt zurück. Die Kaderdecke wird dünn, die Lösungsansätze kreativ: Ella Peddemors rückt ins defensive Mittelfeld, Svenja Huth übernimmt offiziell die Kapitänsbinde – doch die Führung wird kollektiv ausgetragen.
Lerch schwört auf Ballbesitzmut. „Wir müssen Lyon pressen, nicht nur verteidigen“, fordert er. Die Taktikboard-Stifte sind heiß: Dreier- oder Viererkette? Doppel-Sechs oder freie Rolle für Reitmeier? Die Antwort kommt um 20.30 Uhr, wenn die Analyse des Hinspiels steht. Bis dahin tickt die Uhr für Popp. Ireine Woche später folgt das Rückspiel, am 5. April das Pokal-Halbfinale in Jena. Drei Termine, drei Endspiele – ohne ihre Anführerin.
Am Trainingsgelände in Auhagen steht ein Schuhkarton mit Popps Stutzen, bereit für den nächsten Einsatz. Ob er in dieser Champions-League-Saison noch geöffnet wird, ist offen. Die Realität: Wolfsburg muss erst einmal ohne seine Seele zurechtkommen. Die gute Nachricht: Das Team hat bereits bewiesen, dass es geht. Die schlechte: Lyon ist nicht Juventus. Und Paris wartet im Finale.
