Pogacar zerstört strade bianche mit 79-km-solo – rekord nummer vier ist sein
SIENA – Kein Radler, keine Stunde, keine Chance. Tadej Pogacar jagte die Toskana-Staffel und ihre Hoffnungen in Grund und Boden, als er 79 Kilometer vor dem Ziel auf die erste weiße Schotterpiste biss und nie mehr zurückblickte. Das vierte Mal in Folge hieß der Sieger der Strade Bianche Pogacar – Rekord, Marke eigen.
Die Uhr blieb bei einer Minute stehen. Genauer: bei 60 Sekunden Vorsprung auf den 19-jährigen Debütanten Paul Seixas, der mit offenem Mund auf dem Piazza del Campo eintraf und sich selbst nicht glaubte, was da eben passiert war. Dahinter schob Isaac Del Toro das dritte UAE-Trikot aufs Podest. Ein Team, ein Kommando, ein Statement.
Der angriff kam früh – und blieb unbeantwortet
Es war dieselbe Stelle wie 2024, nur diesmal fror die Konkurrenz noch schneller ein. Monte Sante Marie, Kilometer 124, fünf Brockenpisten in Folge. Pogacar schaltte zwei Gänge hoch, ließ Hinterrad und Verstand rauchen. Tom Pidcock flog mit Platten aus dem Rad, Remco Evenepoel schüttelte den Kopf, Romain Grégoire schaltete auf Dauerverfolgung – vergeblich.
Über die Crete Senesi jagte der Slowene wie ein Zeitfahrer gegen die Geschichte. 48,2 km/h Durchschnitt, 6,2 Watt pro Kilogramm Normalisiert – Zahlen, die selbst im ProTour-Bus für Schweigen sorgten. „Er spielt ein anderes Spiel“, murmelte Groupama-Sportdirektor Benoît Vaugrenard.

Der rekord ist nur noch seine fußnote
Fabian Cancellaro, der ehemalige „Spartacus“, gewann dreimal – und hielt die Bestmarke für unantastbar. Nun steht Pogacar allein an der Spitze, 26 Jahre alt, mit erst fünf Monaten bis zum Giro-Start in Venetien. Die Frage ist nicht, ob er dort startet, sondern wie viele Berge er verschenkt, bevor er wieder angreift.
Sein Blick nach Siena war leer, fast gelangweilt. „Ich wollte nur testen, wie sich die Beine anfühlen“, sagte er und klang, als erkläre er, warum er Milch statt Zucker in den Kaffee schüttet. Dabei hatte er soeben die härteste Eintagesklassiker demontiert, die es gibt.
Die Veranstalter zogen schon vor dem Ziel die Sicherheitsbarrieren weiter, weil sie wussten: Wer Pogacar jagt, jagt die Uhr – und die steht still, wenn er will. Nächstes Ziel: Flandern. Die Ardennen. Die Welt. Und alle reden schon wieder dieselbe Sprache – die des slowenischen Diktators auf zwei Rädern.
