Pogacar vs. van der poel: kann der slowene die "königin" erobern?
Paris-Roubaix steht vor der Tür, und mit ihm das erwartete Duell der Giganten: Tadej Pogacar und Mathieu van der Poel. Könnte der Slowene dieses Jahr tatsächlich den Monument nennen, würde er eine historische Leistung vollbringen und alle fünf klassischen Monumente des Radsports für sich beanspruchen. Doch der Weg zum Sieg führt über die berüchtigten Pflastersteine des Nordens – und das macht die Sache kompliziert.
Rolf aldag analysiert: mehr als nur schnelligkeit gefragt
Eurosport-Experte Rolf Aldag, selbst ein erfahrener Routinier in Paris-Roubaix, warnt vor zu viel Selbstübermut. „Bei Roubaix machen sich 25 Fahrer berechtigte Hoffnungen“, betont er. „Das macht es ja auch so interessant, dass es nicht immer gleich ist.“ Aldag, der das Rennen 15 Mal bestritt und dreimal die Top 10 erreichte, weiß, dass es mehr als nur Geschwindigkeit braucht, um auf dem Pflaster zu bestehen. Schnelligkeit ist wichtig, aber das richtige Fahrgefühl und die Fähigkeit, Risiken einzuschätzen, sind entscheidend.
Die Erinnerung an 2021 ist noch wach: Sonny Colbrelli schlug in einem nervenzerreißenden Dreiersprint Florian Vermeersch und Mathieu van der Poel. Ein Beweis dafür, dass auch Überraschungen möglich sind – und dass das Rennen lange nicht entschieden ist, selbst wenn die Favoriten scheinbar im Vorteil sind.

Van der poel jagt den rekord, pogacar das monument
Mathieu van der Poel, der Hattrick-Sieger der vergangenen Jahre, will seine Siegesserie fortsetzen und damit einen eigenen historischen Rekord aufstellen. Tadej Pogacar hingegen ist zum zweiten Mal in seiner Karriere bei Paris-Roubaix am Start und fest entschlossen, das Monument mit nach Hause zu nehmen. „Wenn beide gut kooperieren, dann könnten vielleicht noch Mads Pedersen oder ein Wout van Aert in Topform mithalten“, mutmaßt Aldag. Doch die Konkurrenz ist groß, und das Rennen ist unberechenbar.
Doch wie steht es um die Nerven der Sportdirekteure, wenn ein Rundfahrt-Star wie Pogacar verkündet, er sei bereit, das Risiko einzugehen? Rolf Aldag grinst: „Die Person, die am Sonntag am meisten schwitzen wird, ist der CFO seines Teams. Denn der muss ihm jeden Monat das Gehalt überweisen – und das sind bei 600.000 Euro im Monat nicht gerade wenig.“ Der Preis eines gebrochenen Schlüsselbeins wäre astronomisch, doch Pogacar lässt sich von solchen Überlegungen nicht leiten. „Für Pogacar geht es um den Sieg, und das macht er nicht auf einem Bein.“

Der faktor erfahrung: street view und intensive vorbereitung
Früher galt Streckenkenntnis als entscheidender Vorteil, doch heutzutage nutzen Fahrer wie Pogacar technische Möglichkeiten wie Google Street View, um sich jeden Meter der Strecke virtuell anzusehen. „Pogacar ist einfach so sehr Rennfahrer mit Herz und Blut, dass ich glaube, der findet seinen eigenen Weg“, lobt Aldag. Die intensiven Vorbereitungen, wie das virtuelle Abfahren der Strecke und die Analyse der Pflasterabschnitte, sind mittlerweile Standard – ein Luxus, der früheren Generationen Radprofis verwehrt blieb.
Die Erinnerungen sind noch frisch: Nach seinem ersten Roubaix-Start hatte Aldag Schwierigkeiten, ein Marmeladenglas zu öffnen, so geschwollen waren seine Fingerknöchel. Tape half zwar gegen den Schmerz, doch die abrasierten Knöchel zeugten von der brutalen Realität des Rennens auf dem Pflaster. Das Vibrieren, das Schlagen der Fingerknöchel – ein unausweichliches Übel.

Ein rennen voller überraschungen – wer gewinnt am ende?
Die Frage ist nicht, ob es Stürze geben wird, sondern wann. Regen und nasses Kopfsteinpflaster verzehnfachen die Sturzwahrscheinlichkeit. Doch letztendlich entscheidet die Geschwindigkeit: Je schneller man fährt, desto leichter gleitet man über die Steine. Und wer die Technik beherrscht, der hält den Lenker richtig, vermeidet Panik und lässt sich nicht von den Schmerzen ablenken.
Die Flandern-Rundfahrt hat die Karten neu gemischt, und Pogacar wird sich nicht so leicht geschlagen geben. Van der Poel wird ihn diesmal zurückzahlen. Und so wird Paris-Roubaix erneut ein Fest der Entschlossenheit, des Mutes und der schmerzhaften Schönheit des Radsports. Die Hölle des Nordens erwartet uns – und sie wird alles geben.
