Pogacar startet heute – und die konkurrenz fragt sich nur: wie viele kilometer überlebenszeit bleiben?
Die Strade Bianche beginnen um 11:15 Uhr, aber eigentlich ist die Kirche schon um 10:50 Uhr im Dorf – wenn Tadej Pogacar auf die weißen Schotterpisten von Siena rollt. Der Slowene feiert heute sein Saisondebüt 2026, und die Datenbank der Veranstalter zeigt: in allen drei Siegjahren schraubte er genau auf dem Brocken von Monte Sante Marie die Gewinnschraube an. 2022 waren es noch 50 km, 2024 und 2025 schon 80 km bis ins Ziel. Die Strecke wurde verkürzt, der Vorsprung größer.
Die frage lautet nicht: gewinnt pogacar? sondern: wer überlebt länger als 30 sekunden?
Team UAE bringt neben ihm den frisch gebackenen Tour-of-UAE-Sieger Juan Ayuso mit – und den 19-jährigen Mexikaner Isaac del Toro, der auf den Anstiegen der Europameisterschaft dieselbe Wattzahl wie Pogacar lief. Ein Blatt wie La Gazzetta nennt das „das 2026er Horror-Duo“, ich nenne es schlicht: zwei zusätzliche Zeitmesspunkte für die Konkurrenz.
Florian Vermeersch und Jan Christen (UAE) werden laut Direktor Davide Cassani „den Schotterblock aufreißen“. Dann kommt Del Toro, dann Pogacar. Dreimal haben sie das gemacht, dreimal wurde daraus ein Solo. Die Statistik lautet: 100 % Sieg nach Angriff auf Sante Marie.

Tom pidcock ist die letzte echte referenz – und selbst er weiß: das reicht nur für platz zwei
Der Brite gewann 2023 und landete 2025 als Einziger im Windschatten des Slowenen. Er erinnert sich gern an den Sturz Pogacars vor Colle Pinzuto – und daran, wie schnell sich die Lücke danach wieder schloss. „Wenn du da noch Träumen willst, musst du vorher Kaffee trinken“, sagte er vor zwei Tagen in der Mixed-Zone. Realistischer ist ein zweiter Platz, wenn die Hitze nicht vor 35 Grad kippt.
Interessant: die wild card heißt die 19-jährige französische Rakete Lenny Seixas. Zweimal hat er in diesem Jahr gewonnen, die Power-Curve auf 7,2 Watt/kg bei 19 Jahren. Wout van Aert ist nach seinem Cyclocross-Sturz mit der Sprunggelenk-Physis einer 40-Jährigen unterwegs – Visma-Lease a Bike setzt zusätzlich auf Matteo Jorgenson, der „die Rennen machen“ soll, also Code für: frühes Bombardement, damit Pogacar nicht erst Sante Marie erreicht.

Italia? pellizzari kann top-five, bettiol ist ein fragezeichen in menschengestalt
Giulio Pellizzari (22) fuhr in Sardinien ein beeindruckendes 4.400er VO2-Max-Programm herunter, Filippo Zana gewann dort – und Gianmarco Garofoli zeigte, dass er nicht nur für Instagram-Geschichten schnell ist. Alberto Bettiol startet ohne Rennschärfe, sein letztes Data-File stammt vom 14. Februar. Wer ihm nach Sizilien folgt, weiß: Form ist ein Gefühl, aber Power ist ein Fakt.
Die Wetter-App warnt vor 28 Grad und Südwind – perfekt für Pogacar, der in der Hitze wie ein Solarläufer wirkt. Die Buchmacher zahlen für einen Sieg des Slowenen nur 1,45, das ist kein Witz, das ist ein Statement. Die einzige Unbekannte: wie viele Kilometer Überlebenszeit bleiben den Verfolgern? Die Antwort liefert heute ab 16:02 Uhr – wenn der weiße Schotterstaub auf der Via Santa Caterina wieder liegt wie Pulverschnee.
