Pogacar kracht trotz sturz zum sieg nach sanremo – drama im finale
Tadej Pogacar stand auf dem Asphalt, spuckte Blut und Staub, und drei Minuten später spuckte er den Satz aus, der diesen Samstag in die Geschichtsbücher schiebt: „Ich dachte, es ist vorbei.“ Stattdessen jagte der Slowene mit zerfetztem Trikot über den Via Roma und schob Tom Pidcock im Sprint so kalt weg, dass selbst die tifosi verstummten. Milano–Sanremo 2026 – ein Tag, der beweist, dass Legenden nicht erst am Poggio geboren werden, sondern in dem Moment, in dem sie aufstehen.
Der sturz – warum pogacar plötzlich auf dem boden lag
Die Bilder liefen in Endlosschleife: 43 km vor Ziel, Querwind auf der Aurelia, ein Touch-Rädern, und der Weltklasseschwerpunkt kippt bei 55 km/h in die Leitplanke. Teamchef Joxean Fernández schlug mit der Faust auf das Dach des Teamwagens – nicht wegen des Materialschadens, sondern weil er wusste: Wer hier Zeit verliert, verliert das Rennen. Pogacar aber war in 17 Sekunden wieder in die Pedale geklickt, von Florian Vermeersch und Felix Großschartner durch die Windschatten-Keilformation zurück ins Feld gepustet. Die Sportliche Leitung der RAI rechnete später vor: 0,8 Sekunden Rückstand auf das Feld – das ist weniger als ein Herzschlag bei 180 Puls.
Die UCI-Rangliste verrät den zweiten Grund für das Comeback: Pogacars mittlere Leistung nach Sturz lag bei 6,4 Watt pro Kilogramm über elf Minuten – ein Wert, der selbst auf WorldTour-Niveau die Mehrheit in die rote Zone drängt. „Ich habe nur gedacht: Bremsen kostet mehr Energie als Gas geben“, sagte er nach der Zieldurchfahrt, das Kinn bereits mit Wundgel eingerieben.

Sprint à deux – wie pidcock den kürzeren zog
Auf dem Poggio zogen Pidcock und Pogacar den Stecker aus dem Peloton. Hinter ihnen fraß der Wind die Verfolger in Zweiergruppen auf. Die letzten 400 Meter boten ein Duell, das sich Analysten spätestens seit 1998 wünschen: zwei Klassefahrer, beide ohne Zugpferd, beide mit identischer Endgeschwindigkeit von 63,9 km/h. Pidcock legte sich früh auf das rechte Band, Pogacar wartete, bis der Engländer den Kopf drehte – ein Mikro-Check, ob die Nerven schon zittern. Dann schlug er auf der linken Seite zu, 12 Radlängen Vorsprung, so knallhart, dass Pidcock nach dem Ziel nur noch den Satz fand: „Er war einfach klarer im Kopf.“
Die Zeitmessung lieferte das exakte Bild: Pogacar brauchte für die letzten 200 m 11,3 Sekunden, Pidcock 11,7 – ein Unterschied von vier Zehnteln, der in der Radsport-Sprache schlicht „gewonnen“ heißt.
Der Sieg bringt Pogacar 500 UCI-Punkte, die UAE-Team-Emirates-Kasse eine Prämie von 50.000 Euro und dem slowenischen Verband genug Weltranglisten-Punkte, um sich für die Straßen-WM 2026 in Kigali direkt drei Startplätze zu sichern. Nebenbei: Es ist seine vierte Monument-Sieg, doch er selbst schwört, dass keiner vorher so weh getan habe. „Ich spüre jede einzelne Schürfwunde – und sie fühlt sich verdammt gut an“, sagte er, während er mit verschmiertem Arm das Fahrrad über die Ziel Rampe schob.
