Da costa donnert madrid: jaguar-doppelsieg versetzt formula e in ausnahmezustand
António Félix da Costa wirft die Formel E erneut in Rückwärtsgang. Mit der zweiten Machtdemonstration binnen zwei Rennen jagt der Portugiese seinen Jaguar vor 55.000 Jarama-Fans in die Zielgerade – Teamkollege Mitch Evans räumt trotz Startplatz 16 als Zweiter ab, Porsche-Polemann Pascal Wehrlein kassiert Kalkulationsschaden und behält nur dank 0,799 Sekunden Vorsprung die Meisterschaft.
Jaguar-taktgeber: attack-mode-kniff und boxenstopp-bluff
Die Stunde der Strategen begann am zehnten Rundendreher. Da Costa aktivierte sein einziges 350-kW-Boostpaket, schob sich vor Sebastien Buemi und zog mit 225 km/h über die Altstartgerade davon – genug, um später beim verpflichtenden Schnelllader noch einmal durchzugreifen. Evans wiederum nutzte den Freitag-Longrun: Mit sparsamer Energiekurve und spätem Attack-Mode-Einsatz kroch er von Platz 16 auf 2, weil sich seine Konkurrenten gegenseitig blockierten wie an der engen Madrid-Calle.
Hinten rauschte Citroën-Hoffnung Nick Cassidy nach der historischen Pole in die Bedeutungslosigkeit: Erst wollte der Neuseeländer De Vries in Kurve 1 drängen, dann erwischte ihn Reifenmarodeur De Vries selbst – fünf Sekunden Stop-and-Go, Befreiung für Wehrlein. Der Deutsche schraubte sich wieder aufs Podest, kassierte aber nur 15 Punkte Vorsprung auf Edoardo Mortara. Die Mahindrapiloten trennen nur noch elf Zähler: 72 zu 83.

Pit-boost-regel zwingt ingenieure in die knie
Erstmals mussten alle Fahrer eine 30-Sekunden-Ladepause einlegen – genug Zeit, um Reifenwechsel-Feeling aufzukommen, zu wenig, um echte Taktikvarianten zu erlauben. Die Box kochte: 22 Mechaniker pro Auto, 600 Kilogramm Ladehardware, ein einziger Schieber am Gürtel, der Strom freigibt. Wehrleins Porsche-Truppe verlor 0,4 Sekunden beim Kabelanschluss, Jaguar war 0,2 Sekunden schneller – am Ende entschied diese Nuance zwischen Sieg und Niederlage.
Da Costa profitierte auch vom Hitzegewitter über der Sierra de Guadarrama: 38 Grad Asphalt, 60 Prozent Reifenverschleiß, kein Geringerer als Pepe Martí schob sich vor 20.000 spanischen Schulkindern in Führung – Runde 13 lang. Doch der Heimheld verbrauchte sich, Ticktum rutschte vor, Jaguar blieb kalt. „Wir haben die Reifen am Leben gehalten wie einen rohen Braten“, lachte Da Costa im Parc fermé. „Niedrige Temperatur, hoher Geschmack.“
Porsche bleibt vorn – aber nur dank zahltag in berlin
Die Teamwertung ist offener denn je: 133 Punkte führen die Stuttgarter vor Jaguar (129), ein Doppelsieg in Berlin kann die Krone drehen. Der Gen4-Zeitplan tickt: Opel steigt 2027 ein, Liberty Global kauft sich ein, die Serie wird zur B-Corp. Doch heute zählt nur ein Befund: Wer in Madrid schläft, wird in Berlin geweckt. Und wer jetzt noch zweifelt, dass António Félix da Costa zur Spitze zurückgefunden hat, verpasst den Moment, in dem Jaguar die Formel E neu vermessen wird.
