Pogacar kracht, kämpft, siegt: mailand-sanremo wird zur arena der titanen

298 km, ein Sturz, ein Sprint, ein Triumph: Tadej Pogacar hat sich in Sanremo die letzte fehlende Monuments-Fahne geholt – und das, nachdem er 33 km vor dem Ziel selbst auf Asphalt lag. Der Weltmeister biss sich durch, zog mit zerissener Hose und blutigem Knie auf der Cipressa davon, nur Tom Pidcock kam mit. Die Via Roma entschied ein Rad: 2:03:11 Stunden, 5 cm Vorsprung, erste Mailand-Sanremo-Pearl für UAE.

Der sturz, der keinen stoppt

Die Szene ging viral, noch bevor die Motos sie einfingen: In einer Rechtskurve rutscht Pogacars Hinterrad weg, er rappelt sich in Sekunden auf, verliert aber 20 Sekunden auf das Feld. Isaac del Toro wartet, gibt dann Vollgas – und bringt seinen Captain zurück. Drei Minuten später sitzt Pogacar wieder vorne, zieht direkt durch. „Er hat keine Sekunde geheult, er ist einfach weitergesegelt“, sagte Sportsdirektor Joxean Fernández. Die Psychologie des Druckmittels: Wer so schnell zurückkommt, dem traust du danach alles zu.

Mathieu van der Poel spürt das am eigenen Bein. Der Vorjahressieger stemmt sich 500 m vor dem Poggio-Gipfel gegen das Tempo, verliert den Faden, blickt auf neun Sekunden Rückstand – aus dem Trio wird ein Duell. Hinten schmilzt das Verfolgerfeld auf zehn Sekunden, doch Lidl-Trek, Ineos, Visma – niemand schließt mehr. Die Favoriten haben sich selbst entzaubert.

Pidcock liefert, aber pogacar lügt die physik an

Pidcock liefert, aber pogacar lügt die physik an

Tom Pidcock zeigt, warum Ineos ihn mit 120 km/h die Abfahrt hat fallen lassen: Er folgt jedem Schlag, bleibt in der Schlussschleife sogar vorne. 200 m vor dem Ziel legt Pogacar die letzte Drehzahl ein – und Pidcock antwortet, aber die Linie kommt zwei Radlängen zu spät. 6:47 h Durchschnitt, 1.150 Höhenmeter, eine finale 18-km-Flucht – die Daten lesen sich wie ein Lehrbuch über „wie man ein Monument gewinnt, obwohl das Monument dich eigentlich zerstört hat“.

Die Zahl des Tages: 58 – so viele Siege hat Pogacar nun als Profi, doppelt so viele wie seine Altersklasse eigentlich erlaubt. Und die nächste Zielscheibe ist bereits eingekreist: Am 6. April folgt die Flandern-Rundfahrt, wo er mit Van der Poel und Van Aert erneut ein Triple-Play aufführen will. Wenn er fällt, wird er wieder aufstehen. Wenn er attackiert, folgt nur, wer bereit ist, sich selbst zu überlisten. Sanremo war die Warnung: Die Saison der Superstars beginnt erst, und Pogacar hat gerade bewiesen, dass selbst ein Sturz ihn nur kurz bremsen kann.