Podolski fliegt nach 120 sekunden: faust statt farewell

Lukas Podolski wollte in Zabrze eigentlich nur noch ein paar Sekunden seiner Karriere gönnen. Stattdessen schlug er zu – und flog. 120 Sekunden nach seiner Einwechslung gegen Rakow zeigte Schiedsrichter Daniel Stefański Rot. Die polnische Ekstraklasa erlebte am Sonntagabend ein Drama in Miniatur.

Der ball war weg, der kopf noch da

Die Szene, die alles auslöste, wirkte zunächst wie ein Standard-Zweikampf. Michael Ameyaw stemmte sich hoch, um einen abprallenden Ball zu verlängern, sein Arm rutschte ab, traf Podolski frontal im Gesicht. Der Ex-Nationalspieler ging zu Boden, blutete nicht, stand aber mit einem Mal neben sich. Sekunden später streifte Ameyaw ihn erneut – diesmal freiwillig, womöglich entschuldigend. Podolski reagierte mit einer offenen Hand gegen die Schlüsselbein-Region. Ameyaw taumelte, die Publikumsglocke schlug, Stefański zückte Rot. Keine Diskussion, nur ein kurzer Blick auf den Monitor am Spielfeldrand.

Für Podolski war es erst die dritte Rote Karte in 713 Pflichtspielen. Die erste kassierte er 2005 beim 1. FC Köln gegen 1860 München, die zweite 2013 mit Arsenal im FA-Cup in Brighton. Zwischen den Platzverweisen liegen jeweils acht Jahre – ein absurder Rhythmus, der heute Nacht unterbrochen wurde.

Die zahlen, die bleiben

Die zahlen, die bleiben

23 Tore in 112 Ligaspielen lieferte der 40-Jährige für Górnik. Sein Vertrag endet im Juni, die Familie will zurück nach Köln. Die Rote Karte dürfte keinen Einfluss auf den Abschied haben – die Saison ist ohnehin gelaufen, Zabrze steht abgeschlagen auf Platz 14. Dennoch: Einem der letzten romantischen Stürmer der Bundesliga-Goldzeit blieb ein letzter Auftritt in Reinform versagt. Statt eines Farewell-Tores gab es eine Faust, statt Applaus Pfiffe aus dem Gästeblock.

Podolski verließ den Rasen mit gesenktem Blick, wischte sich mit dem Ärmel über die Stirn. Ameyaw stand auf, klopfte ab, ging zur Mittellinie. Die Partie war längst entschieden – 3:1 für Zabrze –, doch die Bilder kursieren nun durchs Netz. Eine Ikone, die sich selbst ein Denkmal setzte, indem sie sich selbst beschädigte.