Pochettino träumt laut vom titel – das system lacht leise
Mauricio Pochettino schlägt mit der Faust aufs Pult und sagt, was niemand im Umfeld der US-Auswahl wirklich glaubt: „Wir wollen Weltmeister werden.“ Es klingt wie ein Witz, wenn man weiß, dass das erste Gruppenspiel gegen Paraguay am Samstag in Los Angeles noch nicht einmal ausverkauft ist.
Warum der traum platzen könnte, bevor er beginnt
Die Antwort steckt in den Jugendmannschaften. Landon Donovan, Rekordtorschütze der Stars and Stripes, spricht Klartext: „Der Jugendfußball ist ein Desaster.“ Statt Talente zu fördern, kassieren Vereine horrende Gebühren und setzen Neunjährige unter Siegdruck. Ergebnis: Technik bleibt auf der Strecke.
College-Sport funktioniert in den USA – nur nicht beim Soccer. Während NBA- und NFL-Scouts die besten Campus-Programme abklappern, wandern Top-Fußballer nach Europa ab. Pulisic landete in Dortmund,p Reyna in Leipzig, Adams in München. Zurück bleibt eine MLS, in der Lionel Messi und Thomas Müller ihre Karriere austricksen und die Liga vor wandert.

Grobi und trump: show statt substanz
Auch ein blaues Pelzmonster aus der Sesamstraße kam ins Trainingslager, um Pochettino zu fragen, ob Schokokuchen die Motivation anheize. Der Argentinier lachte, aber seine eigentliche Antwort galt Donald Trump: „Natürlich, Mr. President“, hatte er dem Ex-Präsidenten gesagt, als dieser nach der Titelchance fragte. Gary Lineker liefert die nüchterne Gegenrechnung: „Null Chance. Die Spieler fehlen.“
Die Zahlen sprechen gegen das Team. Das beste moderne WM-Ergebnis der USA datiert aus 2002 – Viertelfinale. Seither zogen Europäer und Südamerikaner davon. Pochettino muss mit dem Material arbeiten, das ihm bleibt: einem Pulisic, der nie der LeBron James of Soccer wurde, und einer zweiten Garnitur aus MLS-Veteranen.

Letzter versuch vor heimischem publikum
5500 Zuschauer kamen zum Training, Pochettino griff zum Mikro und schrie „USA, USA“. Die Leidenschaft stimmt, das Fundament nicht. In vier Tagen steigt die Eröffnungsparty in Los Angeles. Wenn das Stadion nicht voll ist, sendet es die Botschaft, die alle Experten formulieren: Fussball bleibt in Amerika eine Randnotiz – egal, wie laut der Trainer ruft.
Am Samstag um 3 Uhr Ortszeit wird sich zeigen, ob der Klang der Trommeln oder die Lücken in der Kaderplanung dominieren. Die Wette gilt: Paraguay wird nicht schockiert sein.
