Playoff-krimi in der schweiz: berns last-minute-ticket und der torhüter, der alles versperrt
Mit einem 4:0-Kantersieg hat SC Bern der Saison des EHC Biel die rote Karte gezeigt – und sich selbst ein zweites Leben geschenkt. Nun treffen die Berner auf die Rapperswil-Jona Lakers, die nach dem verpassten Einzug gegen EV Zug bereits eine weitere Endstation vor Augen haben. Die Bilanz: drei SCB-Siege in vier Saisonduellen, nur einmal jubelten die Rosenstädter. Doch die Formkurve verläuft schräg. Bern kassierte in den letzten fünf Spielen vier Niederlagen, die Lakers nur eine. Trotzdem lautet die Devise: wer zuletzt lacht, lacht im Playoff.

Torhüter-duell mit machtfaktor
Die Serie wird sich zwischen den Pfosten entscheiden. Melvin Nyffeler stand in beiden Partien gegen Zug 60 Minuten lang auf dem Kopf, kassierte nur zwei Gegentore und war trotz Aus trotzdem Mann des Spiels. Auf der Gegenseite blitzt Adam Reideborn nach seinem Shutout gegen Biel auf – 29 Paraden, kein einziger Puck landete hinter ihm. Die Frage ist nicht, ob einer der beiden patzt, sondern: wer zuerst einen Fehler erzwingt. Bei 2,06 Gegentoren pro Spiel in den Direktbegegnungen reicht ein einziger Treffer, um die Stimmung in der BernArena oder der St.Galler Kantonalbank zu sprengen.
Die Offensiven sind gewarnt. Marco Müller, in der Regular Season kaum mehr als Joker, schoss sich gegen Biel in Form: zwei Tore, ein Assist, und plötzlich ist der 31-Jährige wieder Gesprächsthema in den Sozialen Medien. Auf Lakers-Seite zieht Nicklas Jensen die Kette an: fünf Punkte in den letzten vier Spielen, sieben Schüsse allein gegen Genoni. Doch statt der Statistik zählt nur die nächste Scheibe. „Wir haben nichts zu verlieren“, sagte Jensen nach dem Spiel gegen Zug. Berns Captain Ramon Untersander kontert trocken: „Dann werden wir ihnen eben die Luft wegnehmen.“
Die Taktik ist klar: Bern wird drücken, die Lakers kontern. In der Qualifikation fielen in den letzten fünf direkten Duelle gerade einmal elf Tore. Mit anderen Worten: wer trifft, gewinnt. Die Reihenfolge: Montag in Bern, Mittwoch in Rapperswil. Ein Tor Unterschied kann reichen, die Reihenfolge im Gesamtergebnis aber auch. Sollte eine Verlängerung drohen, ist die Auswärtstorregel abgeschafft – ein Segen für die Lakers, die in der Hauptstadt nicht jubeln durften.
Fazit: Bern ist der Favorit, aber die Lakers haben schon bewiesen, dass sie in der Lage sind, Top-Teams zu ärgern. Die Serie wird knapp, torarm und emotional. Erwartet wird ein 2:0 für Bern im ersten Spiel, bevor die Lakers im Rückspiel mit 3:1 Revanche nehmen und doch das Nachsehen haben. Dann heißt es im Viertelfinale: HC Davos gegen SC Bern – und für Rapperswil beginnt bereits die Planung für die nächste Saison.
