Anja wicker sprintet ins silber: sieben paralympics-medaillen, ein neues terrain erobert

20 Kilometer durch Schneeregen, 54 Sekunden Rückstand, ein Finale, das die Lungen brennen lässt – und am Ende steht Anja Wicker erneut auf dem Podest. Die 34-jährige Stuttgarterin holt in Tesero Silber über die Langstrecke im Sitzen, ihre erste Skilanglauf-Medaille überhaupt. Zahl der Paralympics-Podestplätze: sieben.

Von der schießbahn ins gleitspurvergnügen

Wicker war jahrelang die deutsche Biathlon-Dominatorin: Gold 2014, Silber, Bronze, alles gesammelt. Dass sie sich nun auf dem Langlauf-Loipen durchsetzt, verwundert selbst Insider. „Ich wollte nur zeigen, dass ich mehr kann als treffen“, sagt sie atemlos nach dem Ziel. Der Plan ging auf. Zwischenzeitlich lag sie nur auf Rang vier, doch die letzten fünf Kilometer riss sie Oksana Masters und das restliche Feld weg.

Die US-Starke Masters, sonst unantastbar, musste sich mit Bronze begnügen. Gold ging an Kim Yunyi aus Südkorea, die das Rennen von Beginn an diktierte. Die deutsche Delegation jubelt trotzdem: viermal Silber, einmal Bronze – das ist die stärkste Langlauf-Bilanz seit Salt Lake City 2002.

Deutschlands winter-abschluss mit geschmack

Deutschlands winter-abschluss mit geschmack

Die Spiele in Mailand-Cortina neigen sich dem Ende zu. Wickers Silber wirkt wie ein Schlusspunkt, der Mut macht. Die Technik-Experten hatten vor der Saison gewarnt, der neue Sitz-Ski würde mehr Kraft kosten. Sie bewies, dass Ausdauer zählt, nicht nur Gerätetuning. Mit 34 Jahren zeigt sie, dass Umstellung keine Frage des Alters ist.

Die übrigen deutschen Läufer verpassten das Podest, doch die Staffel will nachlegen. Trainer Frank Mävers kündigt bereits an: „Wir schauen nicht auf die Uhr, wir schauen auf den Willen.“ Die internationale Konkurrenz schielt jetzt nach Deutschland – nicht nur auf der Schießbahn.

Die Medaillenbilanz der deutschen Para-Skisportler springt auf 13. Wickers Silber ist ein kleines Wunder, gemessen am Budget, gemessen an der Konkurrenz. Und sie selbst? Die fährt mit dem Silber-Plättchen im Gepäck heim, ohne je eine Skilanglauf-Weltmeisterschaft bestritten zu haben. Keine schlechte Visitenkarte für eine Biathlon-Kriegerin.