Französinnen demontieren dbb-frauen: 85:63-klatsche wirft fragen auf
Lyon – 22 Minuten lang hielt sich die deutsche Auswahl wacker, dann zerlegten die Französinnen jede Zone, jeden Pick-and-Roll, jede Illation von Parität. 85:63 lautete der Endstand, eine Differenz, die so deutlich ist wie ein Schlag ins Gesicht. Nyara Sabally sprach hinterher von „gesehenen Schwächen“ – das klingt nach Lehrstunde, war aber vor allem Demütigung.
Olaf lange zieht bilanz: „körperlich zwei klassen entfernt“
Der Bundestrainer nahm kein Blatt vor den Mund. „Die Gegnerin war in allen Phasen klar besser“, sagte er und fügte jenen Satz hinzu, der so selten laut wird: „Wir sind körperlich einfach noch nicht auf diesem Niveau.“ Frankreich spielte mit WNBA-Größe und Liga-Iberica-Tempo, während deutsche Spielerinnen sich Sekunden lang orientieren mussten, wo der Ball gerade war.
Die Statistik lügt nicht: 16 offensive Rebounds für Frankreich, nur 6 für Deutschland. Fast 30 Punkte kamen aus Second-Chance-Situationen – ein Anachronismus in Zeiten, in denen jeder Ballwechsel gezählt wird. Wer sich nicht durchsetzen kann, verliert – das ist die ehrliche Botschaft aus Lyon.

Saballys rückkehr rettet keine körbe, aber das selbstvertrauen
Nyara Sabally hatte nach ihrer Schonung gegen Südkorea wieder 19 Minuten auf dem Parkett. Sie warf 14 Punkte, holte 7 Rebounds – und doch blieb der Eindruck einer Insel. „Wir haben gelernt, wo wir stehen“, sagte sie, ohne Umschweife. Gemeint ist: Wir haben gelernt, wie weit weg wir noch sind.
Das deutlichste Indiz lieferte das dritte Viertel: 14:28 lautete der Spielabschnitt, ein Ruck, der die Partie endgültig auf +24 schraubte. Wer jetzt von „Lehrgeld“ spricht, verharmlost eine Realität: Ein WM-Gastgeber, der sich selbst automatisch qualifiziert hat, kann sich solche Abrisse nicht leisten, wenn er im September auch nur ins Viertelfinale will.

Kolumbien wartet: 16 stunden später steht die nächste prüfung an
Schon heute um 15.30 Uhr geht es weiter – gegen Kolumbien, ein Gegner, der körperlich zwar nicht ganz die Maße Frankreichs aufweist, aber dafür mit Tempo und Druck agiert. Für Lange wird es darum gehen, ob seine Rotation funktioniert, ob Luisa Geiselsöder und Marie Gülich die Rebound-Lücke stopfen und ob die Defense endlich die ersten 8 Sekunden der Angriffe überlebt.
Die gute Nachricht: Das Turnier dient dem Rhythmus, nicht der Qualifikation. Die schlechte: Ein zweiter Rückschlag innerhalb von 24 Stunden würde die ohnehin bröckelnde Außendarstellung weiter beschädigen. Wer sich selbst sieht als Top-8-Kandidat im eigenen Land, darf nicht zweimal hintereinander um 20 Punkte verlieren.
Frankreich hat die Latte gelegt. Deutschland muss jetzt beweisen, dass es springen kann – nicht irgendwann, sondern heute. Die Uhr tickt laut: 16 Stunden, dann ist Anwurf. Die Französinnen haben gezeigt, wie schnell sich Illusionen in Luft auflösen.
