Pisilli schwamm fast ab – jetzt trägt er rom und soll italien retten

Im September noch Wasser im Lungenflügel, im März schon Fahnenträger. Niccolò Pisilli, 21, stand bei der Roma am Rande des Absturzes, holte sich eine Standpauke von Gasperini ab und flog auf die Tribüne. Heute fehlt er nicht mehr. Sein Kopfball gegen Stuttgart versiegelte das Achtelfinal-Ticket, sein Sprintwert von 34,2 km/h ließ die Kurve erzittern. Ohne ihn läuft in Trigoria kein Ball durchs Mittelfeld.

Verdikte, leihgerüchte und die gasperini-lehre

Trainer wollten ihn ausleihen, Sportdirektoren wollten ihn tauschen. Die Zahlen aber sprachen schon damals eine andere Sprache: 87 % Passgenauigkeit in der eigenen Hälfte, 2,3 Ballgewinne pro 90 Minuten. Gasperini warnte trotzdem: „Talent reicht nicht, wenn der Kopf noch in der U19 steckt.“ Der Spieler schluckte, stellte sich in die Kälte und wartete. Drei Monate später war El Aynaoui nach Afrika abgestellt, Kristensen fiel mit Syndesmose aus, und Pisilli rückte in die Sechser-Box. Seitdem hat Rom 14 von 18 Spielen gewonnen.

Die Scouts des DFB notieren sich neben dem Namen ein dickes Ausrufezeichen. Marco Verrattis Sprunggelenk blieb im Training hängen, für die Play-offs gegen die Ukraine fehlt er garantiert. Gattuso, der die italienische Mittelfeld-Flaute schon als „Wüstenwanderung“ bezeichnete, greift jetzt nach dem Notnagel mit der doppelten „l“ am Familiennamen. Die Verwandtschaft endet nicht beim Buchstaben. Pisillis Spielintelligenz kommt direkt vom Tardelli-Bauplan: diagonal öffnen, sofort gegensteuern, Ballverlust selbst ausgleichen.

Warum rom jetzt auf seine eigene jugend baut

Warum rom jetzt auf seine eigene jugend baut

Friedkin schrieb Rotstift durch den Kader, die neue Regel lautet: nur noch zwei Neuzugänge mit Ablöse pro Sommer. Dafür sollen Primavera-Produkte die Lücken stopfen. Pisilli ist das erste lebende Exponat dieser Strategie. Sein Vertrag bis 2028, ohne Ausstiegsklausel. Die Botschaft: Wer leistet, bleibt. Wer bleibt, führt. Beim nächsten Heimspiel trägt die Kurve bereits ein Tuch mit dem Spruch „Pisilli = Petrol im Blut“.

Die Zahlen bestätigen den Hype: In den letzten fünf Partien deckte er 32,8 Hektometer Laufpensum ab, gewann 18 Zweikämpfe in der gegnerischen Hälfte und leitete vier Tore direkt ein. Sein Marktwert stieg von 6 auf 28 Millionen Euro – Tendenz steil. Kurios: Drei seiner vier Torschüsse landeten im Tor, Effizienzquote von 75 %. Das ist Cristiano-Niveau, nur ohne Selbstinszenierung.

Am Sonntag kommt Inter, Rom liegt zwei Punkte hinter dem Vierten. Gewinnt die Roma, rückt Pisilli ins Fernsehen, verliert sie, rückt die Nationalelf ins Blickfeld. Dazwischen nur ein 21-Jähriger, der vor sechs Monaten noch um seine Zukunft bangte. Er selbst sagt: „Ich bin kein Wunder, ich bin ein Ergebnis von Druck und Geduld.“ Ein Satz, der in Italien derzeit selten klingt – und deshalb umso lauter wirkt.