Pirovano zieht im heimrevier den doppelpack und bläst zum angriff auf goggia

Zwei Tage, zwei Siege, ein Statement: Laura Pirovano hat am Sonntag vor heimischem Publikum in der Val di Fassa erneut die Downhill-Krönung geholt und damit die Alpine-Ski-Welt mit einem blau-weißen Ausrufezeichen versorgt. Die 27-Jährige aus Trient setzte sich mit einer Zehntelsekunde Vorsprung vor der Österreicherin Cornelia Hütter durch, die Schweizerin Priska Nufer folgte als Dritte nur fünf Hundertstel hinter der Italienerin.

Das hausrecht der pirovano

Schon am Samstag hatte sie die Streif der Dolomiten für sich beansprucht, nun folgte der Befreiungsschlag in Serie. »Ich kenne jede Kante hier, jeden Schatten, jeden Sprung«, sagte sie nach dem Rennen und klang dabei so selbstverständlich, als hätte sie nie etwas anderes erwartet. Die Zahlen sprechen für sich: 1,84 Sekunden Vorsprung auf die gesetzte Olympiasiegerin Sofia Goggia, die sich mit Rang elf begnügen musste und damit ihre Vorstellung von einer souveränen Saisonvorbereitung erst einmal überdenken muss.

Hinten raus machte Nicole Delago dem Superstar die Hacken, landete als Neunte zwei Hundertstel vor Goggia und lieferte damit das kleine Drama innerhalb des italienischen Teams. Für Hütter war es der zweite Podestplatz innerhalb von 24 Stunden, doch diesmal fehlte die Krönung. »Laura hat heute einfach keine Fehler gemacht, das war schon fast lästig«, sagte sie und lachte dabei, ohne den Biss zu verlieren.

Die zeiten, die alles sagen

Die zeiten, die alles sagen

Die Uhr stoppte bei 1:28,72 Minuten, Hütter folgte bei 1:28,73, Nufer bei 1:28,77. Dahinter Breezy Johnson (USA) mit 1:29,36 und die deutsche Kira Weidle-Winkler mit 1:29,40 – ein Ergebnis, das dem deutschen Ski-Verband neue Hoffnung macht, aber auch die alte Frage aufwirft, warum die Titelanwärterin nur im Training so schnell ist.

Für Pirovano ist der Doppelsieg mehr als nur eine Momentaufnahme. Sie hat sich in den vergangenen Monaten vom Sprungbrettathletin zur Allround-Herkulesin entwickelt, die auch in langen Kurven nichts anbrennen lässt. Die Saison ist noch jung, doch wer jetzt schon zweimal gewinnt, der schickt eine Visitenkarte in Richtung Cortina und die bevorstehenden WM-Kristalle.

Die nächste Abfahrt steht bereits in St. Moritz an. Dort, wo die Luft dünner ist, wird sich zeigen, ob Pirovano auch ohne Heimvorteil mithalten kann. Die Antwort liegt in der Geschwindigkeit – und die spricht derzeit eindeutig italienisch.