Pick szeged zittert: acht stammspieler weg, titelrennen droht zu kippen
Die Maschine quietscht. In Szeged rollt gerade die wichtigste Saisonphase an, doch statt Vollgas zu geben, muss Trainerstab und Team mit dem Handbremse-Anzug trainieren. Krisztian Karpati zählt gerade mal acht Feldspieler – und das, während in zwei Wochen das Champions-League-Achtelfinale gegen Kielce ansteht sowie das Pokal-Halbfinal-Duell mit Erzrivale Veszprém.
Der Zeitplan ist gnadenlos. Noch sieben Ligaspiele, zwei Final-Four-Turniere, dazwischen Nationalteam-Fahrten – und plötzlich stehen acht Leistungsträger im Ausland. Jim Gottfridsson reist mit Schweden, Mario Sostaric und Marin Jelinic mit Kroatien, Janus Smarason mit Island, Imanol Garciandia mit Spanien, Lazar Kukic mit Serbien. Dazu die beiden ungarischen Junglöwen Richard Bodo und Mate Fazekas. Die Kabine in Szeged wirkt wie nach einem Klassenausflug – leer.
Die verletztenliste liest sich wie ein kader
Der Personalschlag kommt zur Unzeit. Sebastian Frimmel und Magnus Röd fallen definitiv aus – wie lange, darüber schweigt der Klub. Bence Banhidi, Kreisläufer und Ungarn-Kapitän, laboriert an einer Augenverletzung. Er könnte zurückkommen, doch zwischen „könnte“ und „matchfit“ liegen in der Handball-Welt oft zwei Wochen Intensiv-Programm. Attila Radvanszki kehrte zwar ins Training zurück, doch eine Rückkehr in die Startformation ist noch nicht absehbar.
Die Konsequenz: Drei Tage Doppelbelastung, zwei Tage Regeneration – das war gestern. Heute heißt es: Wer fit ist, spielt. Karpati spricht offen aus, was sonst zwischen den Zeilen steht: „Die gesunden Spieler sind überlastet, die verletzten raus aus dem Rhythmus.“ Der Satz klingt wie ein Eigentor. Denn genau das ist Szegeds größte Angst: ein Achtelfinal-Aus gegen Kielce und damit das vorzeitige Saison-Aus in Europa.

Die tabelle lügt nicht – und veszprém sprintet davon
Im Meisterrennen liegt Pick bereits fünf Punkte hinter One Veszprém HC zurück. Bei noch sieben Spieltagen ist das ein Abstand, der selbst mit Sieg im direkten Duell nur unter Zugzwang zu halten ist. Das Heimrecht für ein mögliches Final-Four droht zu versiegen. Und genau dieses Heimrecht war in den vergangenen Jahren Szegeds Trumpf: 8.500 im Tisza-Stadion, ein Crescendo, das Gegner erdrückte. Ohne diese Kulisse wirkt die Mannschaft plötzlich verwundbar.
Die Champions-League-Gruppenphase war bereits Achterbahn: Sieg gegen Paris, Sieg gegen Porto, dazwischen eine 24:29-Klatsche gegen Göppingen. Am letzten Spieltag schrammte man noch am vierten Platz vorbei. Karpati nimmt’s als Warnung: „Jeder kann jeden schlagen – das gilt doppelt fürs Achtelfinale.“ Denn Kielce ist kein beliebiger Gegner. Der polnische Champion besitzt mit Alex Dujshebaev und Nicolas Tournat zwei Weltklasse-Antreiber, zudem die tiefste Bank Europas.

Apelgren reist, die jungs bleiben zuhängen
Chefcoach Michael Apelgren ist derzeit mit Schweden auf Länderspiel-Tour – ein Novum, das Szeged selbst mitverkauft hat. Co-Trainer Karpati übernimmt, doch selbst er muss mit einer improvisierten Einheit arbeiten. Drei Taktik-Bretter, acht Feldspieler, dazu ein Torhüter-Duo, das zwischen den Pfosten rotiert, als wäre es ein Testspiel.
Die Frage ist nicht mehr, ob Szeged die Titel-Träume begraben muss. Die Frage ist, wie schnell sich der Rumpfkader stabilisiert. Die Antwort entscheidet sich zwischen 2. und 8. April – zwei Termine gegen Kielce, die über Saison und Budget, über Prestige und Zukunft urteilen. Verspielt Szeged hier den Anschluss, droht eine Leer-Jahre ohne internationale Präsenz – und das in einer Saison, die eigentlich als Durchbruch gedacht war.
Für Karpati bleibt nur das Mantra der Niederlagen-Trainer: „Wir müssen kleine Schritte gehen.“ Doch die Zeit rennt. Und Kielce wartet nicht, bis in Szeged wieder alle fit sind.
