Pfunds blackout und comeback: norwegen jubelt, deutschland lebt
Zweimal die Strafrunde, zweimal den Kopf schütteln, einmal die Luft anhalten – Leonhard Pfund erlebte in Kontiolahti den klassischen Jour fixe zwischen Drama und Selbstheilung. Der 22-jährige Berchtesgadener schoss das deutsche Quartett aus dem Medaillenrennen, schoss es anschließend aber auch wieder in die Top Ten. Am Ende stand Platz sechs, ein versöhnliches Finish nach 70 Minuten Biathlon-Wahnsinn.
Die verlagerung, die alles kaputt machte
Lucas Fratzscher und Philipp Nawrath hatten das Sextett in Reichweite gebracht, da legte Pfund ans Gewehr – und traf nichts. „Rechts tief eine Verlagerung“, diagnostizierte Sven Fischer im ZDF-Studio. Keine Hektik, kein Risiko, einfach ein Stück Holz, das zwei Zentimeter daneben landet. Die Konsequenz: 300 Meter Extralauf, 1:35 Minuten Rückstand, Rang zwölf. Die Reaktion: Pfund stemmte die Arme in die Luft, als wollte er sich selbst an den Kragen nehmen.
Doch das war erst die halbe Wahrheit. Auf der langen Abfahrt riss er sich zusammen, atmete durch, schaltete auf „Rest gescheit“ um. Im Stehendanschlag dann fünf Treffer in 21 Sekunden – Windeseile, keine Spur von Nervosität. „Ich hab den Cut gemacht, sonst wäre es ein 30-Kilometer-Training geworden“, sagte er später. Mit Tempo 67,8 km/h jagte er die Loipe hinunter, schob das deutsche Team wieder auf Rang sechs und übergab an Philipp Horn, der das Ergebnis verwaltete.

Norwegen feiert, deutschland sammelt
Während Johannes Thingnes Bö zum 15. Saisonsieg jubelte, durfte das DSV-Lager zwei Dinge mit nach Hause nehmen: eine blutende Nase und einen Beweis für Stabilität. Pfunds Premierenwinter liefert die Statistik, die zählt: 13 Weltcup-Rennen, drei Top-15-Platzierungen, ein IBU-Cup-Sieg. Die Fehlerquote im Liegendschießen liegt bei 11 % – im internationalen Vergleich ein Wert, der sich sehen lassen kann. Die Lehren von Kontiolahti: Druckresistenz funktioniert nur, wenn man sich selbst erlaubt, auch mal daneben zu treffen.
Die Saison ist noch lang, die Olympia-Staffel 2026 noch fern. Und Pfund? Der steht am Rand der Loipe, schultert sein Gewehr, grinst verschmitzt. „Morgen ist ein neues Ziel“, sagt er. Kein Pathos, kein Blick in die Kristallkugel – einfach ein Athlet, der weiß: Die Schüsse, die er heute daneben setzte, sind die Treffer, die morgen zählen könnten. Die Zahlen sprechen für ihn: 22 Jahre, 183 Treffer im Stehenschießen, ein Herzschlag zwischen Null und Held.
