Wück schmeißt den wm-quali-deckel hoch: drei neue, ein knall
Stavanger – Keine zehn Minuten nach dem Aufwärmen steht fest: Christian Wück meint es ernst mit seiner Drohkulisse. Nicole Anyomi spielt von Anpfiff an, Shekiera Martinez, vier Tage zuvor noch Dresdens Shooting-Star, darf sich warm anziehen – auf der Bank. Das 5:0 gegen Slowenien war offenbar nur Probearbeit, jetzt kommt die Echtheit.

Warum martinez trotz doppelpack wieder draußen sitzt
Martinez’ Kurz-Story ist beinahe schon ein Krimi: erstmals in der Startelf, zwei Tore, Applaus, Instagram-Post, fertig. Wück aber schaut nicht auf Highlights, er schaut auf Gegenpressing und Laufwege. Anyomi, so die Analyse intern, verschiebt früher, verlagert die Gegenspieler und öffnet damit die Halbräume für Brand und Endemann. Der Bundestrainer will Norwegen nicht erst treffen, er will es lähmen.
Die zweite Wechsel-Reihe trifft Linda Dallmann. Die Münchnerin, sonst unantastbar, fliegt raus, Carlotta Wamser rutscht nach rechts, Jule Brand ins Zentrum. Der Plan: mehr Tempo nach vorn, weniger Ball-Rückwärts-Pass, dafür sofortige Verlagerung auf den tiefer stehenden Flügel. Wamser hat in Leverkusen in dieser Saison 18 Torbeteiligungen – Zahlen, die Wück nicht am Ohr vorbeigehen.
Die dritte Rotation ist die emotionalste. Janina Minge bekommt das Armband-Präsidium auf dem Platz, zumindest sinnbildlich. Die Wolfsburgerin rückt für Camilla Küver in die Innenverteidigung, wird zur Vize-Kapitänin mit Kommando-Lautstärke. Küver, bisher unumstritten, muss mit ansehen, wie ihre Club-Kollegin die Führung übernimmt. Intern heißt es: Minge gewinnt 67 % der Zweikämpfe in der eigenen Hälfte – Küver 54 %. Kleine Zahl, große Konsequenz.
Die Aufstellung im Schnelldurchlauf: Berger – Gwinn, Minge, Knaak, Kett – Senß, Nüsken – Wamser, Brand, Endemann – Anyomi. Ein 4-2-3-1, das sich in Sekundenschnelle zu einem 3-5-2 umbauen kann, sobald Gwinn nach vorrennt und Kett ins Zentrum rutscht. Norwegen wird es schwer haben, diese Flexibilität zu lesen.
18.00 Uhr, ZDF-Livestream, Ullevaal-Stadion, 15 Grad, leichter Nieselregen – perfektes Fußball-Wetter, sagen die Norweger. Für die DFB-Frauen ist es der erste echte Prüfstein auf dem Weg zur WM 2027. Ein Punkt würde reichen, um die Tabellenführung zu behalten. Aber Wück will drei, sonst hätte er nicht gewechselt.
Am Ende zählt nur ein Statement – und das kommt nicht von der Pressekonferenz, sondern vom Rasen. Wück hat seinen Satz schon vorab formuliert: „Wir sind nicht hier, um zu verwalten.“ Norwegen, höre die Boots singen.
