Perücken, pailletten, pokale: ski-stars feiern verrückte 80er-party

Kein Schwanenhals, keine Krawatte – dafür Neonperücken, Goldketten und ein Mikro in Lederoptik. Die FIS-Gala in Kitzbühel verwandelte sich kurz vor Mitternacht in eine Time-Machine, als Shiffrin, Kristoffersen & Co. die begehrsten „Best-Of“-Trophäen der Saison 2025/26 entgegennahmen – verkleidet als Figuren aus dem VHS-Zeitalter.

Warum ausgerechnet die 80er? die antwort steckt im detail

Die Idee stammt von Mikaela Shiffrin. Die US-Amerikanerin hatte im November auf einer Team-Whatsapp-Gruppe ein Foto ihrer Mutter aus dem Jahr 1983 gepostet – Schulterpolstern, Power-Frisur, Lippenstift so breit wie ein Slalom-Tor. „Wenn wir schon die Saison rocken, dann rocken wir auch die Show“, schrieb sie damals. Ihre Kollegen nahmen’s beim Wort. Was folgte, war ein Kostümwahnsinn, der Instagram binnen zwölf Stunden auf 4,7 Millionen Views jagte.

Die Kategorien? Absichtlich trashig. „Längster Air“ ging an Clément Noël, der in einer silberfarbenen Jogging-Anzug-Uniform den Pokal entgegennahm – und ihn sofort als Walkman deklarierte. „Crash des Jahres“ erhielt Lena Dürr, die sich dafür in einen pinkfarbenen Aerobic-Look zwängte. Sie lachte: „Ich habe die Hosen schon vorher bestellt, nur für den Fall, dass ich wieder fliege.“

Der geheime plan hinter dem irrsinn

Der geheime plan hinter dem irrsinn

Scheinbar spontan, doch längst eingebettet in die Marketing-Strategie der FIS. Die Alpine Ski-WM 2027 rückt näher, die Zielgruppe wird jünger. Deshalb sitzt seit Januar ein ehemaliger MTV-Producer im Kommunikations-Team. Seine Devise: „Wenn wir TikTok eroffen wollen, müssen wir erstmal das Zeitalter vor TikTok zitieren.“ Die 80er gelten als Nostalgie-Sicherheitsnetz – alt genug für Authentizität, bunt genug für Viralität.

Die Gäste erhielten einen Dresscode-Zettel: „Denke an ‚Miami Vice‘, nur mit mehr Glitzer.“ Das Resultat: ein Olymp-Sieger in Gold-Lack-Stiefeln, ein Weltmeister mit Schulterpolstern in XL, eine Gesamtweltcupsiegerin mit Kunststoff-Perlenkette so lang wie eine Super-G-Strecke. Die Stimmung: kubanisches Kino, nur kälter.

Die zahlen sprechen für sich

Die zahlen sprechen für sich

Innerhalb von 18 Stunden kletterte der Hashtag #FIS80sParty auf Platz eins der deutschen Twitter-Trends. Die Durchschnittswiedergabezeit der Clips: 14 Sekunden – ein Ewigkeitswert in Zeiten von 0,7-Sekunden-Attention-Span. Sponsoring-Direktor Christoph Becker strahlte: „Wir haben heute Morgen schon dreimal so viele Anfragen für VIP-Pakete wie im Vorjahr.“

Doch nicht alle feierten mit. Traditionsträger schimpften auf „Verballhornung des Sports“. Kritik kommt auch von der deutschen Skiverbandsebene: „Wir wollen Athleten, keine Karaoke-Stars“, murrte ein Funktionär, der anonym bleiben wollte. Die Antwort der Athleten: Sie spendieren die Gewinngelder der Nacht – 125 000 Euro – an eine Initiative für Kinder in Flüchtlingslagen. Kommt von der 80er-Show also doch ein bisschen 80er-Solidarität zurück.

Die Trophäen stehen mittlerweile im Nachtclub „Londoner“ in Kitzbühel, umgeben von Neonröhren. Die Saison ist vorbei, die Nachwirkung nicht. Denn wer einmal eine Perücke trägt, will sie nie mehr absetzen – zumindest was Social-Media-Impressionen betrifft.