Pelkum-sprint: fähndrichs letzter kampf endet vier sekunden hinter der krone
Nadine Fähndrich ist angekommen, nur eben nicht auf dem Podest. In ihrem letzten Sprint schraubt die Luzernerin sich von einem Sturz, einem letzten Platz und einem Lucky-Loser-Ticket bis ins Finale – und landet trotzdem hinter drei gelb-blauen Schwedinnen. Vierte wird sie, die kleine Kristallkugel bleibt in Skandinavien. Ein Abschied mit Splittern statt mit Sternen.
Sturz, aufstand, lucky loser – das drama in drei akten
Im Viertelfinale klatscht sie auf die Bretter, rappelt sich auf, sieht das Feld wegfahren. Was folgt, ist kein klassisches „Weiterlaufen“, sondern ein Ruck, der durchs ganze Stadion geht. In extremer Überzahl jagt sie Lücke um Lücke, erreicht die Gerade als Letzte und spurtet sich doch noch auf Rang drei. Der Lauf ist der schnellste des Tages, die Uhr rettet sie. Im Ziel lacht sie nicht, sie schnauzt – und weiß, dass das Halbfinale Glückssache war.
Dort angekommen, wechselt Fähndrich den Modus. Kein Risiko, nur Kontrolle. Sie setzt sich an die Spitze, diktiert das Tempo, lässt Maja Dahlqvist erstmals ziehen und folgt wie ein Schatten. Kurz vor der letzten Kurve fällt der Vorhang: Dahlqvist zieht vorbei, Fähndrich sichert Platz zwei. Kein Jubel, nur ein Nicken – Job erledigt.

Schwedinnen-triple und die bittere zielgerade
Im Finale geht alles glatt, zumindest ohne Sturz. Linn Svahn und Jonna Sundling starten wie Raketen, Fähndrich hängt sich in das Hinterrad-Duo. Auf der Zielgerade kommt Bewegung ins Bild: Dahlqvist schaltet noch einmal einen Gang höher, zieht auch an Fähndrich vorbei. 0,24 Sekunden fehlen der Schweizerin auf Rang drei, 1,16 auf den Sieg. Die kleine Kugel? Die bleibt in Schweden, nur eben nicht an ihr.
Die Zahlen sind gnadenlos: Drei Schweizerinnen schaffen den Einzug in die Runde der besten Sechs, keine steht am Schluss auf dem Podest. Anja Weber verpasst im Halbfinale Anschluss, Alina Meier und Lea Fischer scheiden früher aus. Fischer wieder mit Sturz, diesmal ohne Comeback.

Männer laufen gegen die wand – pellegrino nimmt sich den abschied, den sich fähndrich erhofft hatte
Bei den Männern rutscht Valerio Grond weg, Janik Riebli bleibt hängen, Roman Alder schafft zwar das Halbfinale, findet dort aber keine Antwort. Noe Näff verpasst die letzte Runde um 0,01 Sekunden – so knapp kann Sport sein. Dafür serviert Federico Pellegrino den perfekten Abgang: Der Italiener feiert seinen 14. Weltcupsieg und beendet mit 36 Jahren seine Karriere – mit dem Pokal in der Hand, nicht nur in der Hoffnung.
Fähndrich wird nach dem Rennen gefragt, was bleibt. Sie zuckt mit den Schultern, dann kommt der Satz, der auch Pellegrino hätte sagen können: „Ich wollte nicht gewinnen, ich wollte nur zeigen, dass ich noch da bin.“ Die Uhr bestätigt: Sie war da, vier Sekunden fehlten auf das Happy End. Für die Statistik ist es Platz vier, für die Erinnerung ein Finish, der sich nicht in Kristall, sondern in Muskelkater schreibt.
