Patrick schmitz wirft hin: der traumjob, der zum albtraum wurde
Sechs Jahre lang hat er den SSV Bornheim geprägt, nun tritt Patrick Schmitz zurück – weil er seinen Kindern nicht länger zumuten will, dass Papa am Sonntag um 14 Uhr „irgendwo“ sein muss.
Der familiäre preis des aufstiegs
Die Entscheidung reifte nicht über Nacht. „Ich bin die letzten zwei Jahre mit mir am Kämpfen gewesen“, sagt der 34-Jährige, der parallel zur Trainerlaufbahn Vollzeit als Geschäftsstellenleiter arbeitet und zwei Kleinkinder hat. Die Logik ist gnadenlos: Wer dreimal pro Woche trainiert und den Sonntag komplett der Taktik widmet, verpasst Geburtstage, Krankheitstage, einfach Tage. „Da kannst du nicht sagen: Heute habe ich keine Lust“, konstatiert Schmitz. Die Konsequenz: „Ich will mal mit den Kids übers Wochenende wegfahren, ohne zu wissen, dass ich am Sonntag auf dem Platz stehen muss.“
Der Abschied klingt nach Erschöpfung, nicht nach Frust. 2020 übernahm er eine Mannschaft in Trümmern, baute mit A-Jugendlichen einen neuen Kader und führte den Klub aus der Bezirksliga in die Mittelrheinliga – zwei Aufstiege in vier Jahren. Ohne Millionen, ohne Stars, mit Nachwuchs und Überzeugung. „Wir haben es geschafft, Spieler auf dieses Niveau zu heben und uns den Erfolg nicht erkauft“, betont er. Die Rede ist von Nick Hirschfeld oder Luca Reuschenbach, früher Kreisliga, heute Fünftliga-Stammkräfte.

Interne lösung statt externer superstar
Die Nachfolge ist längst geklärt: Andreas Biermann, bisher Co-Trainer, rutscht auf. Keine große Show, keine Headhunter-Suche. „Uns ist wichtig, dass der Trainer den Verein versteht“, sagt Fußball-Abteilungsleiter André Bagala. Kontinuität als Konzept. Die restlichen Trainer Soenke Weber und Patrick Masur bleiben, ein weiterer Co-Trainer soll hinzukommen. Auch die Spieler haben signalisiert, dass sie bleiben wollen – „vor allem tragende Säulen“, so Bagala. Der Kader bricht nicht auseinander, er soll reifen.
Der Klassenerhalt ist das Minimalziel, doch der Blick geht weiter. „Ob die Regionalliga in Bornheim möglich ist, werden die nächsten Jahre zeigen“, sagt Bagala vorsichtig. Für Schmitz ist das Thema beendet. Er verlässt den Klub, den er formte, mit dem Gefühl, „für uns wie ein Champions-League-Titel“ gewesen zu sein, wenn Bornheim am Ende der Saison den Mittelfeldplatz halten sollte.
Es bleibt die Erkenntnis: Selbst in der fünften Liga kann der Traumjob zum Albtraum werden, wenn Familie und Fußball kollidieren. Am Sonntag um 14 Uhr wird ein anderer an der Seitenlinie stehen – und Patrick Schmitz wird woanders sein. Mit seinen Kindern. Endlich.
