Sechs-nationen-krimi: frankreich zittert, schottland träumt – italien jagt historisches triple
Ein Schlussspurt ohne Netz und doppelten Boden: Vor dem letzten Spieltag der Sechs Nationen führen Frankreich und Schottland punktgleich mit 16 Zählern, doch die Franzosen schrauben sich mit einer Differenz von +79 vor die Schotten (+21). Dah lauert Irland mit 14 Punkten, das gegen Schottland alles oder nichts spielt. Und Italien? Die Squadra Azzurra kann mit einem dritten Sieg das beste Turnier ihrer Geschichte schreiben – und zittert sogar um den ersten Podestplatz seit 2013.
Die macht der boni: wie 60 sekunden in edinburgh die tabelle drehten
66. Minute, Murrayfield: Schottland führt 47:14, der Tabellenprimus liegt am Boden. Dann erwacht Frankreich, erntet zwei späte Versuche und kassiert trotz der 40:50-Niederlage den Offensiv-Bonus. Statt auf Platz drei zu rutschen, springt Les Bleus wieder an die Spitze – per Regelwerk, nicht per Sieg. Die Szene ist ein Lehrstück darüber, warum moderne Rugby-Turniere nicht mehr nur an Siegen gemessen werden, sondern an exakt 80 Minuten konzentrierter Offensive.
Für Schottien bedeutet das: Sieg in Dublin reicht nicht. Nur ein 4-Try-Sieg plus französische Schützenhilfe würden die erste Meistersung seit 1999 ermöglichen. Irland wiederum muss gewinnen und gleichzeitig hoffen, dass England in Paris die Equipe de France entzaubert. Drei Teams, zwei Stunden Rugby, ein Champion – so eng war die Meisterschaft zuletzt 2015.

In cardiff wartet die historische chance für quesadas rebellen
Während die Großen rechnen, plant Italien den Coup. Mit einem Sieg gegen Wales (Samstag, 17.45 Uhr) würden die Azzurri erstmals drei Erfolge in einem Sechs-Nationen-Jahr einfahren. Der vierte Platz wäre sicher, der dritte – und damit Bronze – liegt im Bereich des Möglichen: Dazu bräuchte Irland eine klare Niederlage gegen Schottland ohne Bonus. Differenz minus 24 gegen plus 16 – kein Spaziergang, aber nach dem 31-29 gegen England ist die Moral in Rom längst nicht mehr zu messen.
Die Italiener starten mit Wissensvorsprung: Ihr Match beginnt, nachdem Dublin den Schlusspfiff ertönen lässt. Ein Blick auf die Anzeigetafel genügt, um zu wissen, wie viel Punkte-Druck nötig ist. Für Wales hingehen droht das hölzerme Spühlbecken: Bei einer Differenz von –96 winkt der letzte Platz, egal wie England gegen Frankreich spielt. Die Dragons gewannen nur einmal in den letzten 13 Turnierspielen – und das war gegen Georgien im November.
Wer am Samstagabend das Tableau betrachtet, erkennt: Der Champion wird erst nach 240 Spielminuten feststehen, der Abstiegskampf ist längst Geschichte, und Italien könnte zum ersten Mal nicht nur überleben, sondern mitreten. Die Sechs Nationen liefern das finale Stück Sport-Theater, das sich kein Drehbuchautor ausdenkt – und genau deshalb schalten Millionen ein.
