Paterlini zieht stecker: tigers-coach braucht eishockey-auszeit

Thierry Paterlini hat genug. Nach dem verpassten Play-In-Kracher und einer Serie, die selbst Langnau-Insidern die Sprache verschlagen hat, legt der 50-Jährige seine Coaching-Funktion bei den SCL Tigers vorübergehend nieder.

Die niederlage, die alles kippte

Die Saison war schon beim ersten Bully zum Greifen nah. Doch wer in der Berner Oberländer Kabine die Play-off-Türe aufstoßen wollte, fand nur Beton. 18 Gegentore kassierte das Teambeim Debakel gegen Davos – eine Zahl, die im Klubarchiv nur mit Bleistift notiert wird. Paterlini sitzt heute in seinem Büro, die Krawatte locker, und sagt: «Wir haben uns in falscher Sicherheit gewiegt. Das fängt im Training an und endet damit, dass keiner mehr vor dem Tor steht.»

Die Konsequenz folgt auf dem Fuß. Der Vertrag läuft noch bis Frühling 2027, doch der Coach braucht «Abstand vom Eis». Kein Urlaub, keine Sabbatical-Story, sondern blanker Realismus. «Ich merke, dass die Ideen nicht mehr sprudeln. Wenn ich jetzt weitermache, schade ich der Mannschaft.»

Was heißt „pause“ in der national league?

Was heißt „pause“ in der national league?

In der NHL springt ein Assistant hinter die Bande, in der Schweiz wird eher gebetelt. Die Tigers verlieren mit Paterlini nicht nur ihren Taktgeber, sondern auch das Gesicht nach außen. Sponsoren, die im Winter noch Jubelgarantie wollten, schicken jetzt Mails mit Betreffzeilen wie „Neuausrichtung“. Die Fangruppe „Wälder Hütte“ postet ein Foto der leeren South-Tribüne – daneben das Wort „Stillstand«.

Doch Paterlini bleibt kalkuliert. «Ich bin vier Jahre hier, kenne jeden Schraubenkasten im Stadion. Aber wenn ich zurückkomme, muss ich mit neuen Drills und einer neuen Sprache auflaufen. Sonst bin ich in zwei Monaten wieder weg.»

Der tag danach – offen wie ein eisloch

Der tag danach – offen wie ein eisloch

Die sportliche Leitung um Manager Nico Ilic spielt den Ball weit. «Wir schließen kein Szenario aus», heißt es intern. Die Liste der Interims-Kandidaten ist kurz, der Druck groß. Denn in 14 Wochen startet die Vorbereitung auf die neue Saison, und Langnau will nicht wieder zum Schlusslicht werden, das andere Teams als Punktebank missbrauchen.

Paterlini selbst schaut aus dem Fenster auf das verschneite Emmental und sagt: «Ich weiß, dass manche Fans mich abschreiben. Aber ich lasse die Tür einen Spalt breit offen – nur muss ich selbst wissen, ob ich dann mit Fuß oder mit Helm reinkomme.»

Die Tigers stehen vor einer Zwischensaison, die so unberechenbar ist wie ein Penaltyschießen im Nebel. Für Langnau zählt jetzt nicht mehr der Anpfiff, sondern der nächste Impuls. Und den kann nur liefern, wer sich selbst neu erfindet – ganz gleich, ob auf oder neben dem Eis.