Handball-debüt bei prosieben: nur 350.000 schalten ein – dann explodiert die quote

Der Ball rollte, die Kameras liefen – und trotzdem saßen am Donnerstag um 18:15 Uhr nur 350.000 Zuschauer vor der Mattscheibe. ProSieben wagte das Experiment, ein Handball-Länderspiel ins Free-TV zu holen. Die Bilanz nach 60 Minuten: ein Sieg für Deutschland, ein K.o. für die Einschaltquote. Oder doch nicht?

Die zweite halbzeit dreht den spieß um

Während in der Pause noch von einem «mauen Start» gesprochen wurde, schoss das Interesse in Hälfte zwei auf 660.000 Live-Zuschauer – ein Plus von fast 90 Prozent. Der Marktanteil kletterte auf 10,1 Prozent. Der Grund? Die jungen Zuschauer. 257.000 Fans zwischen 14 und 49 Jahren stellten sich auf Sendung, als die DHB-Auswahl mit 41:38 gegen Ägypten gewann. Das entspricht 39 Prozent der Gesamtzuschauer – ein Wert, für den jede Prime-Time-Show ihren Showmaster ins Rennen schicken würde.

Florian Schmidt-Sommerfeld und Ex-Weltmeister Silvio Heinevetter lieferten sich dabei kein Schaulaufen, sondern Handball-Klartext. «Wir wollten keine pseudointellektuelle Analyse, sondern Emotion vom Feld», sagte Schmidt-Sommerfeld nach Abpfiff. Die Zuseher honorierten es – zumindest in der zweiten Halbzeit.

Warum die halbzeitpause die quoten killte

Warum die halbzeitpause die quoten killte

Der Absturz nach dem Schlusspfiff war ebenso drastisch wie erwartet: Die Nachberichterstattung rutschte auf 5,8 Prozent Marktanteil. 185.000 blieben dran, der Rest zappte weg. Das ist kein Handball-Problem, sondern ein Reflex: Wer sich für Handball interessiert, will Ball, nicht Studio. ProSieben kann daraus lernen – oder muss es lernen, denn schon Sonntag ist die nächste Chance. Um 15 Uhr geht das Rückspiel gegen Ägypten auf Sendung, wieder bei ProSieben, wieder im Stream auf joyn.de.

Die Zahlen sind keine Katastrophe, aber ein Weckruf. 350.000 Einschaltquote in Hälfte eins liegt unter dem Vorabend-Schnitt des Senders. Die Steigerung in Hälfte zwei zeigt aber: Handball kann sich sehen lassen, wenn das Spiel mitreißt. Die Aufgabe für Sonntag lautet: Die Leute früher an den Bildschirm ketten – und die Werbekunden mitreißen. Denn die 14- bis 49-Jährigen sind das Gold der TV-Wirtschaft. Wenn ProSieben diesen Kern am Sonntag hält, gehört der Handball vielleicht schon bald fest zum Vorabend-Programm.

Die Kosten für die Rechte hat der Sender bereits investiert. Jetzt zählt nur noch eins: Tore, Tore, Tore – und zwar von Anpfiff an.