Pasquantino pulverisiert mexiko mit drei homeruns – italiens kaffe-ritual erobert den baseball-himmel
Houston – Mit drei Schlägen schreibt Vinnie Pasquantino Geschichte, mit neun Schlucken schreibt er Kult. Nie zuvor hat ein italienischer Baseballer drei Home Runs in einem WBC-Spiel gedroschen, doch der Captain traf dreimal, trank dreimal Espresso und schickte Italia ins Viertelfinale gegen Puerto Rico.
Die nacht, in der pasquatch erwachte
0-for-12 lag der 27-Jährige vor dem Showdown gegen Mexiko. Manager Francisco Cervelli antwortete auf Nachfragen mit einem Schulterzucken: „Er ist zu wichtig.“ Den Schlagorden rückte er trotzdem vom dritten auf die Cleanup-Position – und Pasquantino antwortete mit 3 Homeruns, 6 RBIs und einem Lächeln, das selbst die mexikanischen Fans erlahmen ließ. Die Astros-Crowd in Minute Maid Park zählte 43 121, doch nach dem dritten Ball im Orbit war es still wie in einem Kirchenstuhl.
Die Hall of Fame schickt schon Kurierdienste. „Sie wollen meinen Schläger nach Cooperstown“, sagt Pasquantino, während er die schwarze Louisville Slugger noch einmal schwingt – ein letztes Mal, bevor sie im Museum landet. „Aber sie bekommt ihn erst nach dem Turnier. Erst danach.“

Kaffeekasse statt batting cage
Denn der Schläger ist nur Teil des Rituals. Seit drei Jahren kocht Michele Gerali im Dugout Espresso, seit diesem Turnier klebt nach jedem Homerun ein neuer Aufkleber auf die De’Longhi. Gegen Mexiko gesellten sich drei 9er dazu – 9-1-9-9, ein Code für die Ewigkeit. Jeder Homer-Gewinner bekommt einen Schluck, zwei Küsse auf die Wangen und eine Rolle Papier – damit sich die Finger nicht am heißen Metall verbrühen.
Die azzurri feiern nicht nur mit Koffein. Nach jedem Spiel wählen sie zwei MVP, die eine Flasche Chianti Classico erhalten – gespendet vom Capitano selbst. „Ich bringe jedes Mal eine Holzkiste Wein mit“, verrät Pasquantino. Gegen die USA gab es Lorenzen und Caglianone, gegen Mexiko Aaron Nola und Präsident Marco Mazzieri. „Nola hat mir seine Flasche zurückgegeben: ‚Behalt sie, du hast sie dir verdient.‘“

Nonno denny und die wurzeln in ofena
Der Mann mit der C auf der Brust trägt zwei Pässe: US-Amerikaner, Italiener. Sein Großvater Denny telefoniert nach jedem Spiel aus Richmond, Virginia. „Er will wissen, wie der Clubhouse riecht, wer wie viel Kaffee getrunken hat, ob ich noch italienisch spreche.“ Die Familie hieß einst Pasquantonio, wanderte aus dem abruzzesischen Ofena aus und behielt die Traditionen – die Espressotasse, das Weinschenken, das laute Debattieren.
Pasquantino selbst verdient 11 Millionen Dollar im Jahr bei den Kansas City Royals, doch im WBC spielt er für 45 Euro Tagesgeld. „Geld zählt nicht, wenn du für das ‚Italia‘ auf der Brust aufläufst“, sagt er. „Das ist für Nonno, für meine Eltern, für jeden, der jemals an einem Sonntag in einem leeren Park ein Foulball-Feld gemäht hat.“

Jetzt gegen puerto rico – und das koffeinlevel bleibt hoch
Am Samstag treffen die azzurri auf Puerto Rico, den Geheimfavoriten mit Francisco Lindor und Javier Báez. Die Buchmacher sehen Italien als Außenseiter, doch wer Pasquantinos Schläger und den Duft von frisch gemahlenem Kaffee gerochen hat, weiß: Underdogs können fliegen, wenn sie Koffein statt Angst einatmen.
Die Hall-of-Fame-Mitarbeiter warten. Die Espresso-Maschine ist bereits auf 95 Grad vorgeheizt. Und irgendwo in Virginia klingelt ein Telefon – Nonno Denny will wissen, ob die Flasche Chianti schon kühl steht.
