Anja wicker krallt sich bronze – und das mit vier fehlern
12:25 Uhr, Start frei für die Verfolgung – und 20 Minuten später steht Anja Wicker wieder auf dem Podest. Die 34-Jährige aus Halle schießt sich trotz vier Fehlern im Sprint die Bronzemedaille, ihre dritte bei diesen Spielen. Die Langläuferin verwandelt 1,08 Minuten Rückstand in 0,0 Sekunden Respekt.
Us-star gretsch lässt niemanden ran
Kendall Gretsch surft mit perfektem Schießen (0 Fehler) zur Goldmedaille, Yunji Kim sichert Südkorea Silber. Dahinter: Wicker, die nach dem Sprint noch hinter der Koreanerin lag, aber in der Verfolgung ihre Schüsze korrigiert – und ihre Linie. „Ich wusste, dass ich es wieder aufs Podium schaffen kann, wenn ich die Ruhe behalte“, sagt sie im ZDF-Interview mit Marc Windgassen. Ihre Nerven sind Stahl, ihre Lunge Vulkan.
Die Entscheidung fällt auf der 2,5 km langen Runde im San Sicario-Stadion, 1.650 Meter über dem Meeresspiegel. Dort, wo der Wind durchs Ziel blasen kann, hat Wicker ihren Rhythmus gefunden. Nach dem Silber im Einzel und Bronze im Sprint schraubt sie den Medaillenbesstand auf drei – so viele wie noch nie eine deutsche Para-Biathletin bei einer einzelnen Paralympics.

Routinier eskau liefert aufbäumen ab
Bei Andrea Eskau sieht es nach 20 Jahren Weltspitze noch nach Luft nach oben aus. Die 52-Jährige startet mit nur einem Fehler, doch die Beine ziehen nicht. Sechster Platz, 1,58 Minuten hinter Gretsch – für sie ein Befreiungsschlag, für Deutschland ein Warnsignal: Der Nachwuchs muss jetzt liefern.
Die Sprint-Verfolgung ist kein Nebenlauf, sondern der härteste Test der Paralympics. 7,5 km reine Kraft, 20 Schuss reine Psyche. Jeder Fehler kostet 15 Sekunden Startnachteil, jeder Lauf zehrt Reserven. Wer hier überlebt, ist bereit für das 12,5-km-Massaker am Sonntag.
Deutschland bleibt im Para Biathlon ohne Gold – bislang. Die nächste Chance kommt in 48 Stunden. Wer zittert, verliert. Wer schießt wie Wicker, gewinnt – auch wenn die Scheibe mal klingelt statt trillert.
