Paris schlägt zurück: speed-doppelpack in lillehammer fixiert karriere-finale

Dominik Paris zwingt Lillehammer in die Knie. Nach der Abfahrt jagt der Italiener auch im Super-G dem Feld davon, holt sich den achten Weltcup-Sieg seiner Laufbahn – und das mit 36 Jahren, wo andere längst trainieren, wie man Analyst wird.

Paris macht das double perfekt

0,07 Sekunden fehlten Vincent Kriechmayr auf dem Papier, in der Realität war es ein Ozean. Paris donnerte die Olympiabakken runter, ließ selbst dem Tiroler keine Chance, die Niederlage zu verhüten. Raphael Haaser schaffte mit +0,38 s noch das Podest, doch der Tag gehörte einzig Paris. Der Routinier, der in dieser Saison schon in Kitzbühel und Val Gardena gepunktet hatte, zieht mit diesem Double einen Schlussstrich, der sich sehen lässt.

Die Uhr stoppte bei 1:31,42 Minuten – ein Wert, der selbst die hauseigenen Techniker stutzen ließ. „Er fährt wie auf Schienen, nur schneller“, kommentierte ein norwegischer Coach trocken. Paris selbst wirkte nach dem Rennen fast ein wenig erstaunt: „Ich wollte nur sauber runterkommen, plötzlich war ich vorne.“

Simon jocher rettet deutschem speed-team die ehre

Simon jocher rettet deutschem speed-team die ehre

Während Paris jubelte, rutschte Simon Jocher auf Rang 14 – und das war bereits ein kleiner Sieg. Mit 1,85 Sekunden Rückstand sammelte der 25-Jährige Weltcuppunkte, durfte als einziger DSV-Läufer überhaupt an den Start. Die restliche deutsche Speed-Truppe schaute von zu Hause aus, denn nur die Top 25 der Disziplin plus Saison-500er und Juniorenweltmeister sind fürs Finale zugelassen.

Jochers Saisonresümee: ein Fünfter Platz in Livigno, sonst viel Leere. Luis Vogts zehnter Rang in Kitzbühel bleibt das zweite Ausrufezeichen. Romed Baumann hat nach 22 Jahren den Stab aus der Hand gelegt, Jacob Schramm kämpft mit einem Knie, das sich weigert, mitzumachen. Nächsten Winter stehen Jocher und Vogt allein auf weiter Flur – eine Perspektive, die selbst Optimisten verstummen lässt.

Die machtverhältnisse bleiben unangetastet

Die machtverhältnisse bleiben unangetastet

Marco Odermatt kam nicht über Rang 19 hinaus, doch die kleine Kristallkugel war eh schon eingepackt. Zum vierten Mal in Folge sichert sich der Schweizer die Disziplinenwertung – ein Monopol, das selbst Paris mit seinem Doppelpack nicht rüttelt. Bleibt die Erkenntnis: Kvitfjell ist und bleibt das einzige Weltcup-Revier, das Odermatt noch nicht bezwingen konnte. Paris hingegen fährt dort, wo andere verlieren.

Vincent Kriechmayr deutete nach dem Rennen an, dass es seine letzte Saison gewesen sein könnte. Bedingung für einen weiteren Auftritt: die Rückkehr seines ehemaligen Athletiktrainers Peter Meliessnig zum ÖSV. „Genau so einen braucht man, damit man im Sommer die letzten Meter geht“, sagte Kriechmayr. Ob der Verband nachzieht, ist offen. Fest steht: Ohne Meliessnig, ohne Kriechmayr – und dann wäre Österreichs Speed-Team plötzlich um ein Gesicht ärmer.

Am Montag ruht der Zirkus, danach geht’s in die Technik-Disziplinen. Wer dann die Nerven behält, entscheidet über Platzierungen, die niemand mehr auf dem Zettel hat. Paris fehlt dort – er hat seine Geschichte geschrieben, und sie klingt nach einem letzten, lauten Jubel auf 2100 Metern Seehöhe.