Palladino zieht gegen bayern den stolz aus der tasche: „fünf tore aufzuholen ist ein berg, aber wir sind atalanta“

Raffaele Palladino weiß, dass er mit seiner Atalanta nach dem 1:6 in München nicht mehr viel zu verlieren hat – und genau das macht ihn gefährlich. „Wir wollen ein Achtelfinale-Spiel zeigen, das sich sehen lassen kann“, sagte der Trainer vor dem Rückspiel gegen den FC Bayern. Die Worte klingen nach Kampfansage, nicht nach Kapitulation.

Die rechnung geht nur mit einem perfekten tag

Die Zahlen sind brutal: Fünf Tore Rückstand, eine Auswärtspleite, die die Nerazzurri als Debakel in die europäische Geschichte schrieb. Doch Palladino redet nicht vom Wunder, er redet von Würde. „Wir haben gegen Inter gezeigt, dass wir nach Niederlagen zurückkommen können. Das ist unsere DNA.“ Gemeint ist der 2:1-Sieg nach der 0:3-Pleite in Bergamo – ein Muster, das er sich zurechtlegt.

Isak Hien neben ihm nickt nur. „Wir werden alles geben“, sagt der Verteidiger, als wäre das die natürlichste Sache der Welt. 3.800 Fans werden ins Gewirr der Curva Nord strömen, nicht um ein Wunder zu sehen, sondern um ein Signal. Ein Signal, dass Atalanta nicht nur ein Klub ist, der Europa-League-Finaltickets verkauft, sondern einer, der auch dann singt, wenn die Karten längst verteilt sind.

Zwischen champions-league-traum und conference-league-realität

Zwischen champions-league-traum und conference-league-realität

Palladino weiß, dass die Saison nicht nur von morgen lebt. Am Sonntag kommt Verona nach Bergamo, und die Tabelle lügt nicht: Platz neun, sieben Punkte bis zur Conference League. „Als ich kam, standen wir 13.“, wirft er ein, fast als wolle er sich selbst schützen. Die Conference League? „Habe ich schon gespielt, ist ein Wettbewerb mit eigener Geschichte.“ Kein Wort von Abstieg, kein Wort von Angst. Nur die nüchterne Feststellung, dass Atalanta in dieser Saison schon weiter ist als ihr Ruf.

Die Bayern reisen an, das Torverhältnis im Gepäck, aber auch die Last der eigenen Erwartung. Palladino hat nichts zu verlieren – und das ist manchmal die gefährlichste aller Ausgangslagen. „Wir werden mit einer Mentalität auflaufen, die sagt: Wir haben nichts mehr zu verlieren.“

Am Ende bleibt ein Satz hängen, den er so nicht sagt, der aber zwischen den Zeilen steht: Wenn wir scheitern, dann nicht, weil wir klein gemacht haben. Und wenn wir glänzen, dann nicht, weil wir es wagen. Dann, weil wir Atalanta sind. Die Fans werden es morgen hören – und mit jedem Schritt der Mannschaft mitgehen, egal wie hoch der Berg ist.