Oyarzabal schweigt kritiker aus: 23 länderspieltore, spaniens neun wird zum mythos
Mikel Oyarzabal jagt die Statistiker. 23 Treffer für La Roja, gleichauf mit Sergio Ramos und Ferran Torres – und das, obwohl er weder für Barça noch für Madrid spielt, noch Haaland oder Kane heißt. Die Serben mussten es am Donnerstag erneut spüren: Ein Kopfball, 1:0, Zahlen sprechen, Diskussion beendet.
Der tag in berlin, an dem alles riss
Berlin, 14. Juli 2024, Olympiastadion. 73. Minute. Oyarzabal nimmt die Hereingabe mit dem Spann, trifft, Spanien gewinnt die vierte Europameisterschaft. An diesem Abend verliert Morata an Bedeutung, der Mann aus Eibar wird zur Fixierung. Luis de la Fuente hatte seinen neuen Neuner gefunden – und der antwortet seit 365 Tagen mit einer Perfektion, die selbst Kritiker verstummen lässt.
10 Spiele, 10 Torbeteiligungen. Die Aufstellung liest sich wie ein Lehrbuch für Effizienz: Doppelpack gegen die Niederlande im Nations-League-Viertelfinale, zwei Assists gegen Frankreich, Tor gegen Portugal, Hattrick an Vorlagen gegen die Türkei. Insgesamt: 10 Tore, 6 Vorlagen, 16 direkt involvierte Treffer seit dem Sommer 2023.

Kein marketing, nur netzgerüste
Während Haaland Tiktoks füllt und Kane Sponsoren jagt, trainiert Oyarzabal in Zubieta mit Blick auf grüne Hügel. Keine Ablöseschlacht, keine Social-Media-Explosion. Sein Markenzeichen: Präzisionstraining mit dem linken Fuß, 45-Minuten-Kopfballprogramm, anschließend 50 Flanken aus dem Halbfeld. „Wenn du die Lücke siehst, brauchst du keine Show“, sagte er einmal einem spanischen Radioreporter.
Die Lücke zeigt sich in den Heatmaps. Oyarzabal wandert zwischen den Linien, zieht Innenverteidiger auf sich, öffnet Räume für Williams und Yamal. Opta nennt es „horizontaler Stoßstürmer“; de la Fuente nennt es einfach „Mikel“.

Statistik als antwort
Seit seinem ersten Länderspieltor 2019 benötigte Oyarzabal durchschnittlich 121 Minuten pro Treffer. In den letzten zehn Partien: alle 78 Minuten. Kein anderer spanische Feldspieler erreicht in diesem Zeitraum eine derartige Verdichtung. „Es ist keine Formfrage, es ist sein Standard“, sagte Analyst David Espinar nach der Serbien-Partij.
Die Konkurrenz schaut. Morata kämpft in Milan um Stammplätze, Joselu taumelt zwischen Bank und Spieltagskader. Oyarzabal dagegen liefert, egal ob gegen Georgien im Quali oder Italien im Finale. Die TSG 1899 Hoffenheim hatte ihn 2020 probieren wollen – Anruf bei Real Sociedad, Freigabe verweigert. Heute würde die Ablöse bei 90 Millionen liegen, schätzen portugische Makler.
Endstation november
Nächster Halt: Nations-League-Spiele gegen Dänemark und Serbien. Mit zwei weiteren Treffern würde Oyarzabal David Villa überholen, Platz 7 der ewigen spanischen Torschützenliste. „Ich schaue nicht auf Zahlen“, sagte er nach Abpfiff in Belgrad, „ich schaue auf Titel.“
Spanien hat einen neuen Neunen, der keiner ist. Kein Barça, kein Madrid, kein Marketing. Nur Tore. Und die schreien lauter als jedes Argument.
