Österreich jagt u21-em 2029: 100.000-euro-poker gegen spanien
Bernhard Neuhold hat den Zettel mit den UEFA-Anforderungen auf dem Schreibtisch liegen, und er weiß: 27. Mai um 23:59 Uhr ist Schluss mit Lustig. Dann muss Österreichs Erst-Konzept für die U21-Europameisterschaft 2029 in Nyon liegen – ein Duell mit dem gigantischen Mitbewerber Spanien, der ein Jahr später die Welt bespielen will.
Warum der öfb jetzt mit 100.000 euro haushalten muss
Die Spanier träumen von der WM 2030, wir vom kleinen Bruder 2029. Das klingt nach David gegen Goliath, ist aber kein Grund, die Flinte ins Korn zu werfen. Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB-Wirtschaftsbetriebe GmbH, hat für die Bewerbung genau 100.000 Euro vom Aufsichtsrat erhalten. Kein Cent mehr. „Wir wollen mit Inhalt punkten, nicht mit Hochglanz“, sagt er. Kein teures Dossier, sondern ein schlankes Papier, das erzählt, wie Österreich 16 Teams in sechs bis acht Stadien quer durchs Land vom Bodensee bis zur Donau einlädt.
Externer Projektleiter ist Wolfgang Gramann, ein Mann mit EM-Erfahrung. Er war schon 2008 dabei, als Österreich gemeinsam mit der Schweiz die große Männer-EM austrug. Jetzt soll er helfen, das Nachwuchs-Turnier zurück nach Österreich zu holen, wo zuletzt 2007 die U19-EM mit einem jungen Marko Arnautovic stattfand.

Die jahrgänge 2006 bis 2008 bekommen eine heim-wm geschenkt
Für die Spieler ist das Projekt ein Sechser im Lotto. Die EM 2029 ist die Bühne für alle, die nach 2006 geboren wurden. Peter Schöttel, Sportdirektor des ÖFB, schwärmt: „Für uns würde es gut hineinpassen.“ Gemeint ist: Der Jahrgang 2008, der erst kürzlich mit der U17-WM im Finale für Furore sorgte, wäre 2029 21 Jahre alt und automatisch dabei. Johannes Moser, Ifeanyi Ndukwe und Co. bekämen ein Turnier vor heimischer Kulisse – ein Geschenk, das man sich nicht aussuchen kann, aber strategisch planen kann.
Die Gegner sind klar: Spanien will 2029 üben, bevor 2030 die WM losrollt. Für sie ist die U21-EM ein Probedurchlauf. Für uns ist es das größte Nachwuchs-Turnier seit zwei Jahrzehnten. Die Chancen stehen offen, denn die UEFA schaut nicht nur auf Stadien, sondern auf Konzept. Und Österreich hat eins: flächendeckend, bezahlbar, mit Inhalt.
21. September ist Finale. Dann entscheidet sich, ob der Jahrgang 2008 zu Hause spielt oder nur zuschaut. Bis dahin heißt es: Taktik statt Tinte, Zahlen statt Fotos. Und vielleicht wird aus dem 100.000-Euro-Poker ein Sommermärchen 2029.
