Österreich jagt 100 jahre alte heimserie – ghana und südkorea sollen rekord besiegeln

Ein Sieg und ein Remis trennen das ÖFB-Team von einer Marke, die seit dem Kaiserstand steht. Gegen Ghana (Freitag, 18 Uhr) und Südkorea (Sonntag, 20.45 Uhr) kann Ralf Rangnick die längste Heimserie der Geschichte perfekt machen – und die Zahlen sind verrückt: 35 Tore in elf Spielen, nur sieben Gegentreffer, ein 10:0 gegen San Marino, das Rangnick schon einmal ins Rekordbuch schrieb.

Die geister von meisl und stastny winken

Zwischen 1922 und 1925 ließ Hugo Meisls Wunderteam neun Gegner in zwölf Heimspielen keine Chance. Fünf Jahrzehnte später schraubte Leopold Stastny dieselbe Zahl an Unbesiegtheiten zusammen. Beide Serien endeten mit 0:1 – gegen Spanien 1925, gegen Deutschland 1975. Nun, fast 50 Jahre danach, steht Rangnicks Generation vor dem Sprung auf 13. Die letzte Niederlage datiert vom 14. Oktober 2023, als Belgien in der 88. Minute das 3:2 erzielte – und selbst da führte Österreich bis zur 60. Minute mit 2:0.

Seitdem donnerte das Team-Tor. Michael Gregoritsch traf dreimal, Marcel Sabitzer schoss die Deutschen aus dem Stadion, Marko Arnautovic jagte die Norweger mit einem Doppelpack aus Linz. Das 6:1 gegen die Türkei war kein Ergebnis, sondern eine Demonstration. Die Statistik: acht Siege, drei Remis, Tordifferenz 35:7. Kein Gegner erzielte mehr als ein Gegentor, nur Serbien hielt zweimal 1:1. Die Fans feiern eine Mannschaft, die plötzlich wieder glaubt, dass das Ernst-Happel-Stadion eine Festung ist – und nicht mehr bloß ein schönes Museum.

Die kritiker schwiegen, als rangnick die zahlen sprechen ließ

Die kritiker schwiegen, als rangnick die zahlen sprechen ließ

Die Nations-League-Pleiten gegen Dänemark, Frankreich und Kroatien hatten gezwickt. „Dafür brauchten wir keinen teuren Rangnick“, murrte man hinter den VIP-Glastüren. Doch der Deutsche antwortete mit Zahlen, nicht mit Worten. Seit dem 2:0 gegen Deutschland schoss sein Team in jedem Heimspiel mindestens zweimal. Die Torschützen kommen aus zwölf verschiedenen Vereinen – von Bayern München bis Ried, von Inter bis LASK. Die Breite ist das Geheimnis, nicht der Superstar.

Ghana und Südkorea sind kein Zufallprogramm. Die Schwarzen Stars bringen Power, die Asiaten Tempo. Beide testen, beide wollen gewinnen. Doch das Tempo im Happel-Stadion ist seit Rangnicks Amtsantritt ein anderes. Das Team presst höher, lässt den Ball schneller laufen, verkürzt die Wege. Das erklärt, warum die Gegner nur sieben Mal trafen – und warum Österreich in den letzten 30 Minuten seiner Spiele 14 der 35 Tore erzielte. Die Kondition ist das neue Waffenarsenal.

Historie ist kein Selbstgänger. Die 100-jährige Serie von Meisl endete mit einem 0:1 gegen Spanien, die 50-jährige von Stastny mit einem Doppelpack von Erich Beer. Ghana hat Inaki Williams und Kudus, Südkorea Son Heung-min. Ein Tor reicht, um die Serie platzen zu lassen. Doch die Wette lautet: Die Mannschaft, die Deutschland und die Türkei zerlegt hat, fürchtet sich nicht vor Geistern. Die Rekordmarke liegt bei zwölf Spielen. Die dreizehnte wird Geschichte – oder sie wird vergessen. Kick-off ist Freitag, 18 Uhr. Das Stadion ist längst ausverkauft.