Oslo zittert vor perrot: letzter biathlon-kracher der saison startet früher

Schneefetzen über Holmenkollen, Startzeit vorgezogen, Königsloge wartet: Der Massenstart der Männer (15.45 Uhr) ist kein Rennen, sondern ein Ritual. Wer sich in Oslo durchsetzt, darf dem norwegischen Königshaus die Hand schütteln – und mitnimmt einen Mythos, der größer ist als jede Kristallkugel.

Perrot schon kaiser, jacquelin will prinz bleiben

Eric Perrot hat die große Kugel, die kleine Kugel, den Respekt. Was er noch nicht hat: einen Sieg in der Königskurve. Emilien Jacquelin hingegen brennt darauf, beweisen, dass Frankreich nicht nur aus einem Supermann besteht. Beide tragen die blaue Bib, doch nur einer kann heute die blaue Stunde erleben.

Die Norweger spielen vor eigenem Publikum Poker. Sturla Holm Laegreid gewann gestern den Sprint, atmet Oslo ein, atmet Selbstvertrauen aus. Johannes Thingnes Bø ist da, wo er immer ist: im Fokus. Doch diesmal lauert hinter ihm nicht nur der Gegner, sondern die Erwartung eines ganzen Skilanglauf-Volkes.

Deutsches team sucht das letzte pflaster

Deutsches team sucht das letzte pflaster

Philipp Nawrath trägt die deutsche Fahne, mehr Last als Hoffnung. Die Saison war ein offenes Wundpflaster, heute soll der Verbandschef wieder lachen. Die Statistik nagt: Kein Einzelsieg seit Ruhpolding, kein Massenstart-Podest seit drei Wintern. Wer in Oslo ins Ziel kommt, rettet nicht nur Plätze, sondern Gesichter.

Die IBU schob den Start nach vorn, weil der Wind über dem Fjord zu wild wird. In Wahrheit schiebt sie damit auch die Saison ein Stück näher ans Ende. Nach 22 Rennen, 68 Stunden Live-Übertragung und 4.500 Schuss später bleibt eine Frage: Wer trägt den Mythos nach Hause, wer nur die Erinnerung?

Um 17.30 Uhr wird der letzte Schuss fallen, dann schweigt das Gewehr bis November. Oslo verschenkt heute keine Punkte, Oslo verschenkt Ehrungen. Und manchmal ist das, was locker wirkt, das Schwerste: ein Rennen ohne Druck zu gewinnen.