Massenschlägerei in dortmund: 152 hooligans nach bvb-sieg in gewahrsam

Der Sieg war geschafft, doch die Nacht danach droht Borussia Dortmund zum Albtraum zu werden. 152 gewaltbereite Randalierer landeten am Samstag in Handschellen, nachdem sie sich in der Fußgängerzone gegenseitig mit Stahlrohren, Gartenschläuchen und improvisierten Waffen traktierten – alles nur, weil ein Fußballspiel 3:2 ausgegangen war.

Die eskalation lief über zwei stufen

Gegen 22:40 Uhr meldeten Anwohner Schreie am Ostwall. Beamte der Bereitschaftspolizei rückten an, sahen aber zunächst nur vereinzelte Grüppchen. Was sie nicht wussten: Hinter den Litfaßsäulen postierten sich zwei verfeindete Hooligan-Strukturen – die Northside um den BVB sowie die HSV-Riot-Squad mit Mitgliedern aus Hamburg, Bremen und Pinneberg. Beide Seiten hatten sich über Messenger abgesprochen, den klassischen Fanmarsch zu umgehen und stattdessen auf neutralem Terrain zu treffen.

Innerhalb von fünf Minuten schwappten rund 300 Vermummte in die Kreuzung zwischen Schwanen- und Kampstraße. Zeugen berichten von Steinen, die in Richtung Polizisten flogen, und von Böllern, die in geparkte Dienstwagen zischten. Die Lage entlud sich, als ein HSV-Anhänger eine Bengalische Fackel in einen Einkaufspassage warf – das Feuer griff auf Müllcontainer über und löste die vollständige Räumung der Barrierestraße aus.

Die bilanz: keine todesopfer, aber ein schock für die stadt

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Die Feuerwehr löschte brennende Tische vor einem Sushi-Lokal, die Polizei sicherte Messer, Teleskopschlagstöcke und eine Axt. Ein 17-Jähriger zog sich Platzwunden am Schädel zu, ein Beamter erlitt einen Knöchelbruch. Doch das ist nur die Spitze. Laut Leitstelle wurden 152 Personen in Gewahrsam genommen, 104 davon stammen aus dem Hamburger Umland, 48 aus Dortmund und dem Ruhrgebiet. Die jüngsten Festgenommenen sind 15 Jahre alt, die ältesten 47.

Strafanzeigen wegen Landfriedensbruchs, schwerer Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte liegen mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft vor. Die Dortmunder Polizei wertet Handyvideos aus, will Zuordnungen über Tattoos und Kapuzen-Logos vornehmen und kündigt weitere Durchsuchungen an. „Wir lassen keinen Stein auf dem anderen“, sagt Polizeisprecherin Judith R., „wer sich vor Gericht versteckt, wird gefunden.“

Der bvb reagiert mit erhöhter sicherheitskurve

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Am Sonntagmorgen schaltete der Verein einen Krisenstab ein. Das Präsidium kündigte an, Stadionverbote gegen jeden einzelnen Festgenommenen durchzusetzen und die Kosten für entstandene Sachschäden einzuklagen. Parallel dazu prüft Dortmunds Fanprojekt, ob rechtsextreme Netzwerke hinter der Planung stehen – erste Hinweise deuten auf Telegram-Kanäle mit Bürgerkriegs-Rhetorik.

Für den Spielbetrieb bedeutet das: Die Nordkurve wird mindestens für die kommenden beiden Heimspiele mit Zusatzkontrollen und einem erhöhten Polizeiaufgebot versehen. Schon vor dem Anpfiff gegen Freiburg am nächsten Wochenende werden 600 zusätzliche Ordner im Einsatz sein. Die Kosten trägt der Klub, die Angst bleibt bei den Anwohnern.

Die lektion: fußball darf kein freifahrtschein für gewalt sein

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Was sich in Dortmund ereignete, ist keine Randnotiz, sondern ein abschreckendes Beispiel dafür, wie schnell sich organisierte Hooligan-Strukturen in den sozialen Medien neu formieren. Die Täter kamen mit Bussen, hatten sich in Kleingruppen aufgeteilt und trugen teils schusssichere Westen – ein Vorbereitungsgrad, der Alarm schlagen muss. Wenn 15-Jährige glauben, sich auf offener Straße prügeln zu müssen, weil ein Ballspiel nicht ihrem Willen folgte, ist das keine Jugendsünde, sondern eine Straftat mit Vorbildfunktion.

Die Polizei wird die Auswertung ihrer Bodycams und Drohnenvideos am Montag abschließen. Dann steht fest, wie viele der 152 Gewahrsamen in U-Haft wandern. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, keine Deals einzugehen – wer mit Stahl schwingt, muss mit Stahl im Knast rechnen. Die Zahlen sind eindeutig: 152 Festnahmen, zwei Verletzte, ein Stadion unter Schock. Und eine Stadt, die sich fragt, ob der Preis der Leidenschaft nicht langsam zu hoch ist.