Olympia 2036: dosb hält an deutschen ambitionen fest – trotz hamburg-nein
Die Nachricht kam wie ein Nieselregen an einem eigentlich sonnigen Tag: In Hamburg wurde eine Olympiabewerbung abgelehnt. Doch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) schüttelt den Kopf und sieht im Ergebnis des Referendums keineswegs ein Zeichen gegen Olympische Spiele in Deutschland – sondern vielmehr eine regionale Ablehnung.

Die hamburger entscheidung im größeren kontext
„Die Menschen haben gegen Spiele in Hamburg gestimmt, nicht gegen Spiele in Deutschland“, erklärte DOSB-Präsident Thomas Weikert in einem Interview. Das ist eine feine, aber entscheidende Unterscheidung. Denn wenn man die Ergebnisse aller 20 Referenden im Rahmen der Bewerbung betrachtet, zeigt sich ein überwältigendes „Ja“ für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland – in 19 von 20 Fällen. Die Ablehnung in Hamburg stellt somit eine Ausnahme dar, die im Gesamtbild verhältnismäßig klein erscheint.
Die Zahlenspiele sprechen eine deutliche Sprache. Selbst unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Wahlbeteiligung stimmten im Schnitt 60 Prozent der Hamburger für die Bewerbung, kumuliert mit bundesweiten Umfragewerten von 70 Prozent und der starken politischen Unterstützung in Berlin und Rostock-Warnemünde entsteht so ein klares Bild: Der Wunsch nach Olympia in Deutschland ist ungebrochen.
Die Wahlbeteiligung in Hamburg lag bei 49,5 Prozent, und 54,9 Prozent (357.911 Stimmen) sprachen sich gegen eine Bewerbung aus – ein noch deutlicheres Nein als 2015. Doch Weikert hält am Prinzip der Bürgerentscheide fest. „Es zeigt, dass es richtig war, den Bewerbern die Möglichkeit zu geben, Referenden durchzuführen“, argumentiert er. Anders als vor zehn Jahren hat Deutschland nun drei ernstzunehmende Bewerber, die um die Austragung der Spiele kämpfen.
Was niemand so recht thematisiert: Die Durchführung von Olympischen Spielen ist ein Mammutprojekt mit enormen finanziellen und logistischen Herausforderungen. Dass die Hamburger Bürgerinnen und Bürger diese Bedenken offen äußern, ist demokratisch wünschenswert, auch wenn es die Pläne des DOSB vorläufig durchkreuzt. Die Frage ist nun, ob die anderen Bewerberstädte die Chance nutzen, um die Schwächen der Hamburger Strategie zu analysieren und ihre eigenen Konzepte zu optimieren. Denn eines ist sicher: Der Kampf um Olympia ist noch lange nicht entschieden.
