Ole book stoppt titel-träume: „bayern ist enteilt, wir brauchen geduld“
Ole Book trat am Mittwoch ins Dortmunder Pressezentrum – und zerpfiff die Meister-Party, eigentlich noch bevor sie richtig losgetrommelt war. „Träume darf jeder haben, aber noch sind wir ein ganzes Stück davon entfernt“, sagte der neue Sportdirektor, der seit Kindesjahren die schwarzgelbe Schärpe trägt. Mit einem Schlag wurde klar: Der BVB will in dieser Transferperiode nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen, sondern lieber den Rohbau renovieren, anstatt ein neues Stadion zu planen.
Bayern als maß aller dinge – und die lücke dahinter
Book nannte keinen Namen, brauchte ihn auch nicht. „Es gibt einen Verein, der gerade ein bisschen enteilt ist“, sagte er mit Blick auf die Tabellenführung des FC Bayern. Die 13-Punkte-Differenz wirkt wie eine Naturkatastrophe, die man nicht einfach wegreden kann. Deshalb verbannte der 40-Jährige Wörter wie „Meisterschaft“ oder „Titel“ aus seinem Wortschatz – zumindest für diese Saison. Stattdessen setzt er auf einen Baukasten, bei dem einzelne Steine erst einmal neu vermörtelt werden müssen.
Die Bosse formulierten es noch deutlicher. „Das Haus steht, aber es gibt Risse in der Fassade“, sagte Geschäftsführersprecher Carsten Cramer. „Wir renovieren, statt abzureißen.“ Dabei schöpfen die Dortmunder aus der Biografie ihres Neulings: Book lotste den SV Elversberg aus der Oberliga bis an die Schwelle zur Bundesliga, dabei entdeckte er Perlen wie Nick Woltemade oder Fisnik Asllani. Für Cramer ist Book kein Kurzstreckensprinter, sondern ein Langstreckenläufer mit Kompass.

Kein experiment 2.0 – ricken warnt vor u21-irrsinn
Die Angst, dass Dortmund nach der Kehl-Ära auf Teufel komm raus in die Jugend-Abteilung greift, wischte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken vom Tisch. „Wir werden nicht mit einer U21-Mannschaft spielen“, betonte er. „Am Ende siebter und sich gegenseitig die Schultern klopfen – das war’s nicht.“ Stattdessen fordert er die berühmte Mischung: ein Gerüst aus erfahrenen Leistungsträgern, verzahnt mit hoch talentierten Spielern, die sich nicht vor der Südtribüne verstecken.
Book selbst spielte bis zur 3. Liga mit, kennt also den Schweißgeruch in Kabinen, wo keine Kameras sind. „Ich habe keinen Knallfrosch in der Tasche, sondern einen Plan“, sagte er. Drei Jahre Laufzeit hat er sich geben lassen – genug Zeit, um die Perlenkette zu flicken, nicht zu zerreißen. Die erste Prüfung folgt schon am Samstag gegen Freiburg. Dort wird sich zeigen, ob die Renovierung trocknet oder schon wieder bröckelt.
Für den BVB-Fan, der einst auf der Süd steht, ist das Projekt größer als jede einzelne Transfermeldung. „Ich will, dass am Ende alle sagen: Der Club tickt wieder richtig“, sagte Book. Kein Titel-Slogan, kein PR-Geschwafel – nur die Erkenntnis, dass der Gipfel nur über eine steile, aber stabile Treppe erreichbar ist. Die Bayern sind enteilt, das weiß jeder. Doch wer zu fralaufen beginnt, stolpert über seine eigenen Schnürsenkel. Genau das will Book verhindern – und genau deshalb sprach er so leise, dass es lauter wirkte als jedes Schlagwort.
