Oldenburg stolpert in lippe: blomberg will blut sehen

17 Uhr, kleine EWE, Schlagerspiel mit offenem Visier: Der VfL Oldenburg reist heute ins Tabellenbett des HSG-Blomberg-Lippe, wo der Zweite die Fünfte zerlegt – oder sich blamiieren kann. Die Rechnung ist simpel: Wer in Ostwestfalen punktet, spart sich Krimi und Relegationsstress. Wer verliert, darf sich auf eine Achterbahn bis zum letzten Spieltag einstellen.

Blomberg hat ein häkchen – und eine rechnung offen

Die Lipperinnen haben zwei Niederlagen kassiert in dieser Saison, eine davon mit 26:30 gegen genau diesen VfL. Seitdem laufen sie mit erhobenem Mittelfinger durch die Liga: 30:4 Punkte, Pokal-Halbfinale, EM-Abstellungen links und rechts. Ihre Rückraum-Maschine Lena Degenhardt und Kreisläuferin Ina Mätje haben gegen Dortmund nur 48 Stunden vorher gerast, dabei aber Energie gespart – auf Oldenburg.

Trainer Markus Gaugisch spricht es offen aus: „Wir wollen Revanche, aber vor allem wollen wir die Playoff-Heimrechte einsacken.“ Die Fans in der Halle an der Bega rechnen sich schon das erste Heimspiel im Viertelfinale aus. Das wäre ein Novum seit 2019.

Oldenburg reist mit notbetrieb – und trotzdem mit stachel

Oldenburg reist mit notbetrieb – und trotzdem mit stachel

Die Norddeutschen haben seit dem Jahreswechsel ein Problem: Sie spielen Europa-League und Bundesliga mit demselben sieben-köpfigen Rumpf. Mittlerweile sind es fünf und ein halber Kopf. Marie Steffen taped sich seit Wochen die Schulter, Luisa Knipp laboriert an der Hackenschlag-Sehne, und die Juniorentruppe durfte schon gegen Bietigheim ran. „Wir fahren mit dem Kopf durch die Wand“, sagt Coach Niels Bötel, „aber die Wand ist dicker geworden.“

Dennoch: Im Hinspiel bewies Oldenburg, dass man auch mit 30 % Ballbesitz gewinnen kann, wenn man zweite Bälle klaut und Viola Leuchter vom Kreis weghält. Genau das will Bötel heute wiederholen – nur diesmal mit noch weniger Wechseloptionen. Er kündigt an, drei A-Juniorinnen aufzustellen, darunter die 17-jährige Finja Kelm, die gegen Göttingen schon traf wie eine alte Rentnerin.

Die mathematik des endspurts

Die mathematik des endspurts

Vier Spiele, drei Punkte Vorsprung auf Rang sechs. Reicht ein Sieg? „Ja, aber wir wollen nicht rechnen, wir wollen zuschlagen“, sagt Bötel. Blomberg ist der härteste Brocken, danach kommen Gadesloer SC, HSG Bad Wildungen und Buxtehuder SV – alles Teams, die sich selbst retten wollen. Wer heute in Lippe kassiert, muss vermutlich alle drei restlichen Spiele gewinnen, um nicht in die Gruppenlotterie zu rutschen.

Die Zahlen sprechen gegen Oldenburg: Blomberg erzielt im Schnitt 3,4 Tore mehr als der VfL, kassiert zwei weniger. Die einzige Hoffnung: Die Oldenburgerinnen sind die beste Auswärtsmannschaft der Liga – wenn sie komplett sind. Heute sind sie es nicht.

Steffen spielt – und trägt die schuld

Steffen spielt – und trägt die schuld

Marie Steffen wird auflaufen, das hat sie sich selbst eingebrockt. „Wenn ich nicht spiele, haben wir keine Führung auf der Platte“, sagt die Kapitänin. Sie wird mit Taping und Schmerzmittel antreten, weiß aber: Fällt sie aus, fehlt die Abstimmung im Rückraum. Blomberg wird sie jagen wie ein Schwarm Aasgeier – und genau das weiß sie auch. Ihre Lösung: frühzeitig Foul ziehen, Zeit nehmen, Tempo drosseln. „Wir müssen das Spiel klein kriegen, sonst kriegen wir die Klatsche.“

Mein fazit

Mein fazit

Oldenburg kann heute die Playoff-Tür aufstoßen – oder sie kann sie ins Schloss fallen lassen. Blomberg ist favorisiert, doch der VfL lebt von der Unbeirrbarkeit, die ihn schon in Moskau und Bukarest überlebensgroß gemacht hat. Sollte es klappen, wäre es nicht nur ein Punktsieg, sondern eine Kampfansage an die Liga: Wir sind noch da, mit Notbetrieb und trotzdem mit Biss. Und falls nicht? Dann bleiben noch drei Endspiele, in denen jeder Pass zählt. Ich tippe 27:26 – und zwar für die Huntestädterinnen, weil sie heute nicht rechnen, sondern beißen.