Odermatt krönt sich zum fünften mal: courchevel wird zur schweizer gala

Ein dritter Platz, zwei Kristallkugeln, ein Jubiläum: Marco Odermatt brauchte in Courchevel keine Sekunde auf der obersten Stufe, um Geschichte zu schreiben. Die Abfahrt am Freitag reichte, um seinen fünften Gesamtweltcup und zum dritten Mal in Serie die kleine Kugel der Königinnen-Disziplin zu sichern.

Vincent Kriechmayr sorgte nebenbei für das österreichische Erleichterungs-Stöhnen. Nach 1 095 tagen ohne Speed-Sieg stoppte der Salzburger die Durststrecke des ÖSV – und das ausgerechnet dort, wo die Schweizer sonst die Hosen anhaben.

Odermatt zieht mit girardelli gleich – nur hirscher ist noch oben

Die Zahl fünf katapultiert den 28-jährigen Nidwaldner in eine Dimension, die vor ihm nur Marc Girardelli erreichte. Nur Marcel Hirschers acht Großkugeln sind noch drüber – und selbst das wirkt nach den Leistungen dieses Winters wie eine Frage der Zeit. 632 Punkte Vorsprung auf Lucas Pinheiro Braathen, sechs Rennen noch offen: Mathematisch wäre sogar ein früher Saison-Ausklang möglich.

Die Abfahrts-Kugel bedeutet Odermatt persönlich mehr als alle Gesamtwertungen zusammen. „Diese Konstante, Woche für Woche in der Streif, in Kitzbühel, auf der Birds of Prey mitzufahren – das frisst Energie, Nerven, Material“, sagte er nach dem Rennen. „Drei Mal hintereinander zu gewinnen, das ist schon eine kleine Ewigkeit.“

Kriechmayr beendet österreichs längste speed-flaute

Kriechmayr beendet österreichs längste speed-flaute

15. März 2023, Soldeu: Kriechmayr gewinnt – und dann kommt nichts. 37 Weltcup-Abfahrten vergehen, der österreichische Ski-Verband verliert sich in Trainingslagern, Materialtests und Psychogesprächen. Jetzt, fast auf den Tag genau drei Jahre später, rollt der Steirer wieder durchs Ziel, 0,09 Sekunden vor Giovanni Franzoni.

Die Reaktion im ORF-Interview: „Ich war leer, komplett leer. Wer sich beschwert, dass wir keine Siege haben, soll heute einfach feiern.“ Für Franzoni ist es die zweite Podest-Platzierung binnen zwei Wochen nach dem Kitz-Sieg – Italiens Speed-Hoffnung wächft sich aus dem Schatten von Dominik Paris heraus.

Franjo von Allmen schied nach einem Fahrfehler im Mittelstück aus, verspielte damit alle Chancen auf die Abfahrts-Kugel. Der 24-jährige Schweizer muss nun auf den Super-G am Samstag warten, um seine erste kleine Kugel doch noch zu packen.

Odermatt selbst will am Samstag nachlegen. Ein Sieg im Super-G – es wäre die vierte Kugel in dieser Disziplin nacheinander. Die Devise: „Noch ist der Winter nicht vorbei.“ Für die Konkurrenz klingt das wie ein Kampfansage im Tonfall eines Bankangestellten: höflich, unerbittlich, erfolgsverwöhnt.