Odermatt jagt die kugel: schon heute kann er im super-g alles klar machen

Marco Odermatt reist nicht nach Norwegen, sondern nach Courchevel – und könnte schon am Freitagabend die erste Kristallkugel dieser Saison in den Händen halten. Der Schweizer führt den Super-G mit 158 Punkten vor Vincent Kriechmayr an, und drei Rennen vor Schluss reicht ihm eine 42-Punkte-Attacke, um die Disziplinwertung vorzeitig zu entscheiden.

Die rechnung ist gnadenlos klar

Gewinnt Odermatt den nachgeholten Lauf von Garmisch-Partenkirchen, darf Kriechmayr maximal Vierter werden. Wird Odermatt Zweiter, muss der Österreicher mindestens Siebter bleiben – und gleichzeitig dürfen sich Stefan Babinsky, Raphael Haaser, Giovanni Franzoni oder Franjo von Allmen nicht durchsetzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass genau diese Kombination eintritt, steigt mit jedem Schneeflockchen, das heute Nacht auf die Puce-Piste fällt.

Der 26-Jährige hat die Saison dominiert, dreimal gewann er, viermal landete er auf dem Podest. Doch die Kugel ist noch nicht trocken. Kriechmayr kennt die Hänge von Courchevel aus dem Effeff, und die Franzosen haben ihre Strecke extra härter gespurt, um den Favoriten zu ärgern. „Wir haben nichts geschenkt bekommen“, sagte Odermatt gestern nach dem Training. „Aber ich fahre nicht nach Punkten, ich fahre nach Siegen.“

Am sonntag ist die sache vermutlich egal

Am sonntag ist die sache vermutlich egal

Selbst wenn heute nichts klappt, dürfte Odermatt spätestens nach dem zweiten Super-G am Sonntag die Kugel sicher haben. Rechnet man die Restpunke ab, darf er an beiden Tagen maximal 58 Zähler an Kriechmayr verlieren. Zwei zweite Plätze würden reichen – oder ein Sieg plus ein zwölfter Rang. Die Frage ist nicht mehr, ob er gewinnt, sondern wann er den Champagner öffnet.

Für die Konkurrenz wird es zur Geduldsprobe. „Wir schauen nicht auf Marco, wir schauen auf uns“, versuchte Kriechmayr gestern zu protestieren, doch seine Stimme klang, als hätte er die Rechnung schon selbst gemacht. 158 Punkte Rückstand – das ist keine Lücke, das ist eine Schlucht.

Die Speedwochenenden in Courchevel gelten als Saison-Generalprobe vor dem Finale in Norwegen. Doch für Odermatt ist Norwegen nur noch ein Schaulaufen. Die echte Entscheidung fällt heute, zwischen den steilen Wänden der Puce, wo die ersten Sonnenstrahlen um 9.30 Uhr durch die Gletscherspalten brechen. Wer dann zuerst durchs Ziel fliegt, bestimmt, ob die Schweizer Nacht schon beginnt – oder ob Österreich noch einmal aufatmet.