Werder-frauen vor pokal-knaller: essen zittert, bremen träumt
18:30 Uhr, SGS-Essen-Anlage, Flutlicht an: Werders Frauen wollen den Halbfinaleinzug im DFB-Pokal klarmachen. Die Bremerinnen sind Top-Team, die Essener Letzter – und genau deshalb wird es dreckig.
Klarer Favorit? Das sagt nur das Papier. Auf dem Rasen erinnert sich jeder an November: 3:0-Führung, dann Gelb-Rot gegen Maja Sternad, Schlusslicht Essen schnürt Werder fast ein 3:3 ein. Lina Hausicke spült die Erinnerung hoch: „Die Tabellensituation spielt keine Rolle, wenn der Pokal klopft.“
Kromp warnt vor konter-kobra
Fritzy Kromp, Trainerin mit Pokal-Erfahrung aus ihrer Mainzer Zeit, schickt ihre Spielerinnen in die Kabine mit einem einzigen Satz: „Essen lebt von Umschaltmomenten, nicht von Platzierungen.“ Die Zahlen bestätigen sie: Drei Spiele, drei Unentschieden gegen Köln, Wolfsburg und Leipzig – alles Teams, die in der Liga über Essen stehen. Konterquote: 41 Prozent ihrer Torgefahr entsteht nach Ballgewinn in der eigenen Hälfte.
Werder selbst startete 2026 verhalten. 1:1 in Nürnberg, 1:1 im Nordderby – zu wenig für Champions-League-Träume. Die Punkte lassen die Kapitänin schmollend zurückblicken: „Wir wollten den Frühjahrstart anders erleben, jetzt muss der Pokal der Zündfunken sein.“
Der Befreiungsschlag könnte schon in Essen folgen. Der Gewinner trifft im Halbfinale auf Jena oder Sand, beides machbare Gegner. Das Finale in Berlin ist am 30. Mai, genau 364 Tage nach dem letzten Endspiel, das Werder gegen Wolfsburg mit 1:3 verlor.

Taktik-check: hohes defensiv-pressing vs. tiefe 5-4-1-blockade
Essen wird in einem tiefen 5-4-1 starten, die Außenverteidigerinnen auf Höhe der Mittellinie zurückziehen, um Werders Flügelzug zu ersticken. Kromp plant Gegenpressing ab der gegnerischen Abspielfrequenz von 45 Metern – die Schaltstelle heißt Sternad, die nach ihrer Rot-Sperre als halbrechte Sechserin agiert und damit direkt gegen Essens Spielmacherin Ina Lehmann läuft.
Bei Standards setzt Werder auf „Zweikampf-Overflow“: Beide Innenverteidigerinnen gehen mit, die Rückkehr läuft über die defensive Außenbahn. Das kostet Essen schon in der Gruppenphase sieben Gegentore nach Ecken – mehr als jede andere Frauen-Bundesliga-Mannschaft.
Die Personallage ist komfortabel: Nationalstürmerin Melissa Mühlhaus ist nach ihrem Treffer gegen Slowenien angekommen, auch Linksaußen Sara Ilonzeh meldet sich nach Adduktoren-Problemen zurück. Lediglich die Langzeitverletzte Hanna Weiß fehlt.
Die Entscheidung fällt früh oder spät. Die letzten fünf Werder-Pokalspiele gingen dreimal über 120 Minuten, zweimal sogar ins Elfmeterschießen. Torjägerin Lena Utpadel hat schon sieben Pokaltore auf dem Konto – kein Spielerinnen-Duo in diesem Wettbewerb traf öfter.
Pokalabend, Flutlicht, knallharter Rasen: Für Bremen zählt nur Weiterkommen, für Essen der Prestige-Sieg. Einer wird jubeln, einer wird leer ausgehen. Die Uhr tickt, der Ball rollt – und die Träume werden Realität oder zerschellen an der Außenbande.
