Odermatt frisst die konkurrez: 5. gesamtweltcup, 2 speed-kugeln – und kein ende in sicht

Marco Odermatt ist nicht mehr aufzuhalten. Mit dem fünften Gesamtweltcup in Serie und zwei kleinen Kristallkugeln in den Speed-Disziplinen schreibt der Nidwaldner Geschichte, bevor andere ihre Skisocken anziehen. Die Zahlen sind längst keine Headlines mehr, sondern Normalität: Wer gegen ihn fährt, fährt um Platz zwei.

„Ein rennhund, der zehn prozent zulegen kann, wenn’s brennt“

Sein Riesenslalom-Trainer Helmut Krug braucht keine Filter. Im Gespräch mit CH Media redet er, als würde er einen Kumpel beim Afterski die Wahnsinns-Saison rekapitulieren. „Marco ist einzigartig. Einen Athleten wie ihn habe ich nie erlebt.“ Was den 28-Jährigen auszeichnet? „Es gibt einfach solche, die können in den Rennen noch einmal zehn bis fünfzehn Prozent drauflegen. Sie fahren riskanter, kennen keine Angst vor dem Ausfall. Marco gehört unumstritten dazu.“

Krug schmunzelt, als er das sagt. Denn er weiß: Diese Zehn-Prozent-Regel gilt im alpinen Zirkus als Naturgesetz. Die meisten Weltmeister vom Training verlieren genau diesen Satz, wenn die Startnummer rot wird. Odermatt tankt ihn.

Kaminfeger als coach? für marco reicht’s

Kaminfeger als coach? für marco reicht’s

Die Trainer-Philosophie klingt nach Demut und Selbstschutz zugleich. „Wenn einer auf Marcos Niveau angekommen ist, kannst du auch einen Rauchfangkehrer hinstellen“, sagt Krug. Die Pointe: Die Staffel rund um Odermatt konzentriert sich auf die jungen Wilden. „Wir müssen Lenz Hächler an die Spitze führen oder Gino Caviezel nach einer Verletzung wieder in Form bringen. Das sind unsere Hauptbaustellen.“ Für den Superstar selbst wird nur ein „perfekter Trainingslauf“ vorbereitet. Er kommt, fährt, gewinnt. Ende.

Diese Routine verlangt nach einem Geflecht aus Physios, Materialern und Pistenarbeitern, die jeden Zentimeter Schnee kontrollieren. Erfolg sei in der Schweiz „kein Selbstläufer“, betont Krug. Auch die Eidgenossen müssen „sich strecken“, um Spitze zu bleiben.

Teamplayer statt ein-mann-show

Teamplayer statt ein-mann-show

Die Frage, ob Odermatt nicht mehr Aufmerksamkeit verdient, wischt Krug mit einem Satz beiseite: „Wenn wir nur auf Marco setzen, zerbrechen alle anderen. Das will niemand – auch Marco nicht.“ Der Superstar gilt in der Truppe als Mentor. Er gibt Tipps, zeigt Lines, feuert die Jüngeren an. „Er will, dass sie besser werden. Darum ist das Team so stark“, sagt Krug.

Statistiker haben errechnet, dass Odermatt in dieser Saison 35 Prozent aller Schweizer Weltcup-Punkte einfuhr. Die Zahl lügt nicht, aber sie täuscht über die Stärke der Mannschaft hinweg. Dahinter steckt ein System, das den Topfahrer nicht isoliert, sondern die Gruppe hebt. Wer mit ihm trainiert, lernt, wie man Weltcups gewinnt – oder zumindest wie man mit 120 km/h durchs Lärchen-Tor pflügt, ohne die Beine zu verlieren.

Die Konkurrenz schaut bereits Richtung nächste Saison. Die Devise: Odermatt wird nicht langsamer, also müssen sie schneller werden. Die FIS plant Regeländerungen? Die Athleten fordern flachere Stangen? Egal. Solange der Nidwaldner in die Startportale steigt, bleibt die Frage offen, wer die Kristallkugeln überhaupt noch abliefert – oder ob er sie irgendwann einfach mit nach Hause nimmt.