Ochoa greift nach dem wm-rekord, den ronaldo und messi auch jagen
Guillermo Ochoa hat den Achillessehnenriss eines Kollegen nicht mitzuverantworten, aber er profitiert davon. Luis Malagón fällt aus, Mexiko braucht eine neue Nummer eins – und plötzlich steht der 40-Jährige vor seiner sechsten WM. Kein Feldspieler hat das je geschafft.
Der ersatzmann, der geschichte schreiben will
2006 und 2010 saß er noch hinter Oswaldo Sánchez, seit 2014 ist er Stammgast. Elf WM-Spiele, 152 Länderspiele, dreimal Mexikos Rekordspieler des Turniers. Doch die letzte Einladung datiert vom Juli 2025, danach war Schluss. Vereinslos, aussortiert, auf Zypern angekommen. Bei AEL Limassol spielt er jetzt wieder jede Minute – und die Torwartkrise bei El Tri wirft ihn zurück auf die große Bühne.
Raul Rangel, 26, gilt als Favorit auf den Stammplatz. Doch selbst als Nummer zwei würde Ochoa in die Annalen einziehen. Das Turnier endet am 19. Juli 2026, er wird am 20. Juli 41. Ein Geburtstag, der längst programmiert ist, aber die Bedeutung bekommt erst jetzt: dann steht fest, ob er allein an der Spitze steht – oder Ronaldo und Messi ihm die Show stehlen.

Die paraden, die ein ganzes land elektrisierten
Brasilien 2014: 0:0 gegen die Seleção, neun Paraden, Man of the Match. Deutschland 2018: neun Saves, Mexikos Sieg gegen den späteren Weltmeister. Diese Spiele sind keine YouTube-Archive, sie sind lebendige Erinnerung. Sie erklären, warum seine Popularität nicht an Formkurven hängt. In Mexiko spricht man einfach von „Memo“, so wie man früher von Maradona sprach – ohne Nachnamen.
Die Frage ist nicht, ob er noch kann, sondern ob der Trainer Javier Aguirre ein Museumstück mitnimmt. Die Antwort lautet: Ja, wenn das Museum auf dem Rasen steht. Denn Ochoa trainiert mit einer Intensität, die seine Mitspieler in WhatsApp-Videos zirkulieren lassen. Die Botschaft: Der Alte macht kein Geschenk, er erzwingt sich die Liste.
Endspiel gegen die uhr
Die Qualifikation für 2026 entfällt, Gastgeberstatus genügt. Die letzten Testspiele finden im Mai statt, das Finale der Liga de Naciones im Juni. Drei Wochen später fliegt die Truppe nach Dallas. Bis dahin muss Ochoa zwei Dinge beweisen: keine Patzer in Zypern und eine Figur, die die Kabine zusammenhält. Beides liefert er ab. Ob es reicht, entscheidet sich in 90 Tagen. Die Uhr tickt – und sie tickt für ihn allein.
