Odermatt pulverisiert hirscher-parade: girardelli sieht keinen gegner mehr

Marco Odermatt hat in Courchevel nicht einfach nur gewonnen – er hat die Latte für alpin Grössen neu justiert. Mit der fünften grossen Kristallkugel in Serie stellt der 28-Jährige aus Nidwalden klar: Die Zeit der verletzungsbedingten Ausreden ist vorbei, die Ära Odermatt hat ihre Vollendung erreicht.

Die Zahl 102 mag trocken klingen, ist aber ein Ausrufezeichen. 102 Podestplätze bedeuten, dass Odermatt seit seinem Durchbruch 2021 an fast jedem zweiten Renntag auf dem Treppchen stand. Skirennfahren ist seine Chefsache geworden, ein Nebenjob neben dem Weltcup existiert nicht mehr.

Girardelli packt aus: so normal ist odermatt wirklich

Marc Girardelli, selbst fünfmal Gesamtweltcup-Sieger, kennt die Mechanismen des Spitzensports. Was ihn bei Odermatt beeindruckt, ist laut seiner Aussage gegenüber dem Blick nicht die Technik, sondern der Charakter. „Marco ist der einzige in seiner Liga, der ein normaler Kerl geblieben ist“, sagt Girardelli. Er erinnert an Zeiten, als Stars wie Hermann Maier oder Marcel Hirscher nach Rennen kaum erreichbar waren. Odermatt hingegen bleibe zugänglich, ein Verdienst von Eltern Priska und Walti, die ihn bodenständig erzogen hätten.

Diese Bodenständigkeit ist kein Zufall. Wer Odermatt in Sörenberg beim Dorffussball oder beim Jass mit Freunden antrifft, erkennt: Der Superstar trägt keine künstliche Aura. Er bestellt selbst beim Metzger, fährt eigenes Auto, bezahlt seine Rechnungen – und schläft trotzdem mit neun Saison-Siegen und zwei Kristallkugeln ein.

Hirschers rekord schmilzt – die konkurrenz sieht alt aus

Hirschers rekord schmilzt – die konkurrenz sieht alt aus

Marcel Hirschers Marke von acht grossen Kugeln war jahrelang unantastbar. Jetzt rückt sie in greifbare Nähe. Odermatt benötigt drei weitere Jahre bei seinem aktuellen Tempo, um den Rekord einzustellen. Girardelli glaubt fest daran: „Ich sehe niemanden, der Marco in den nächsten Jahren gefährlich werden könnte.“ Selbst gezielte Rennausfälle zur Erholung würden den Gesamtweltcup nicht gefährden, so die Einschätzung des Altmeisters.

Die Konkurrenz schaut alt aus. Henrik Kristoffersen, der einstige Konkurrent, kämpft mit Form und Motivation. Aleksander Aamodt Kilde vermisst nach Kreuzbandriss die Konstanz. Vincent Kriechmayr findet in technischen Disziplinen keine Antwort. Und die junge Garde um Atle Lie McGrath oder Lucas Braathen? Zu unerfahren, zu inkonsistent, zu weit weg.

Die spannende Frage bleibt: Wie lange hält Odermatts Motor? Sein Team um Cheftrainer Thomas Stauffer plant Lastmanagement, die körperliche Belastung steigt mit jedem Sieg. Doch die Zahlen sprechen für ihn: In dieser Saison fuhr er neun Einzelsiege ein, so viele wie nie zuvor. Die fünfte Kugel ist kein Endpunkt, sondern die Visitenkarte für den Aufstieg zur absoluten Legende.

Odermatt selbst will den Rekord nicht als Ziel formulieren. Er spricht lieber von „möglichen Geschichten“ und „Spass am Skifahren“. Diese Gelassenheit ist sein größter Trumpf. Während andere überlegen, wie sie ihn schlagen könnten, plant er schon das nächste Training. Die Konkurrenz schaut auf die Analysebilder – und er findet neue Linien. So entsteht eine Lücke, die mit jedem Rennen größer wird.