Norwegen zündet das finale: olympiastars jagen in oslo, kvitfjell und vikersund die letzten punkte
Die Wintersport-Saison brennt nieder. Noch fünf Tage, dann ist Schluss – und die Athleten rennen mit letzter Kraft über Eis, Schnee und Kunststoff. Oslo schickt heute die Biathletinnen in den Sprint, Kvitfjell feuert die letzten Speed-Abfahrten der Alpinen, und in Vikersund springen die Flieger buchstäblich in den Frühling. Ein Saisonfinale ohne Netz.
Donnerstag ist frauentag – und schweden ist schon wieder vorn
Hanna Öberg kaltgestartet, heiß gelaufen. Die Schwedin fegte gestern beim 7,5-km-Sprint durch die Schießanlage, ließ zwei Scheiben stehen und war trotzdem 14 Sekunden vor der Konkurrenz. Ein Startschuss, der halb Oslo zum Knallen brachte. Wer jetzt denkt, dass der Rest der Saison nur noch Statistik sei, kennt Öberg schlecht. „Ich will die Kristallkugel“, sagte sie nach dem Rennen – und meinte nicht die Glaskugel, sondern den Gesamtweltcup.
Heute folgt der Männer-Sprint. Sturla Holm Laegreid hat sich den Startplatz 1 gesichert. Der Norweger trägt die Gelbe Weste, aber nicht die Ruhe. Hinter ihm lauert ein Rudel: Johannes Thingnes Bö will Revanche für seine verpatzte WM, Quentin Fillon Maillet hat seit drei Rennen keine Munition mehr verfehlt. 10 Kilometer, zwei Schießeinheiten, eine einzige Fehlerkarte – und schon kann der Gesamtweltcup wieder kippen.

Die alpinen ziehen die letzten pisten auf – und paris ist schon wieder da
Kvitfjell ist normalerweise ein Trainingsberg für die Norweger. Dieses Wochenende wird er zur Arena der Verzweifelten. Dominik Paris raste gestern mit 133 km/h ins Ziel, holte sich die Abfahrt – und zeigte, dass sich seine Sommerpause in Südtirol gelohnt hat. „Ich habe mir gesagt: Entweder du fliegst hier, oder du fliegst nach Hause“, sagte der Italiener. Heute folgt der Super-G. Für Paris die letzte Chance, im Gesamtweltcup noch ins Top-Ten-Ranking zu rutschen.
Bei den Frauen hatte Laura Pirovano die Nerven behalten. Die 25-Jährige aus dem Aostatal fuhr in der Abfahrt ihre erste Weltcup-Siegestrophäe ein – und weinte sich fast die Goggle-Beschläge weg. „Ich habe heute Nacht geträumt, wie es ist, durchs Ziel zu kommen und als Erste zu stehen. Dann bin ich aufgewacht und habe gedacht: Verdammt, das war nur ein Traum. Jetzt ist er wahr.“

Vikersund wird zur flugshow – und die deutschen haben den koffer schon gepackt
Die Vikersundbakken ist die größte Anlage der Welt. 240 Meter Sprungweite sind drin – wenn der Wind mitspielt. Stephan Embacher war gestern der Einzige, der sich traute. Der Österreicher landete bei 234 Metern, schaffte den zweiten Weltcupsieg seiner Karriere und schob sich mit einem Satz auf Rang drei der Gesamtwertung. Die deutsche Truppe schaut von außen zu. Karl Geiger ist nach seiner Knie-OP da, aber nur als Zuschauer. Markus Eisenbichler flog gestern im Training 223 Meter – und schüttelte sich danach wie ein Hund. „Das reicht nicht für die Spitze“, sagte er knapp. Heute und morgen geht’s weiter. Wer in Vikersund nicht weit springt, fliegt nicht nur weit – er fliegt direkt in den Urlaub.

Langläufer jagen in lake placid die letzten punkte – und kläbo ist schon wieder weg
Johannes Høsflot Kläbo hat den Gesamtweltcup so sicher wie das norwegische Öl. Trotzdem startet er heute über 10 km klassisch in Lake Placid. Warum? „Weil ich kann“, sagte er und grinste. Hinter ihm lauert Linn Svahn. Die Schwedin hat den Frauen-Weltcup noch nicht eingetütet, aber sie hat Momentum. Drei Siege in Folge, keine Probleme mit der Technik. Wer heute in den USA die Nase vorn hat, könnte morgen beim 20-km-Massenstart schon den Sack zumachen.
Die Zeit läuft. In fünf Tagen ist Saisonende. Dann zählt nur noch die Statistik – und wer den Koffer zuerst zubekommt.
