Norwegen packt aus: viermal höhenmaske im team – bakkens tod wirft schatten

Sivert Guttorm Bakken ist tot, und die Maske, die er am 23. Dezember im Hotelzimmer trug, war keine Ausnahme. Norwegens Trainerstab bestätigt jetzt: Vier Athleten der Nationalkader haben sich Geräte zur Höhensimulation besorgt – auf eigene Faust, ohne Wissen des Verbands.

Die Zahl klingt nach wenig. Sie reicht aber, um den gesamten Skandinavier-Kader unter Generalverdacht zu stellen. Denn wer privat auf 7 000 Meter simuliert, ohne medizinische Aufsicht, spielt russisches Roulette mit dem Sauerstoffhaushalt seines Gehirns.

Maskenoffensive statt kontrolle

Anders Brun Hennum und Anders Överby geben gegenüber Dagbladet zu, dass die Athleten die Masken „selbstständig“ kauften. Kein Verbot, keine Richtlinien, keine Pulsoximeter-Pflicht. Ein Vakuum, in dem sich ein 27-Jähriger veräppelt fühlte, sein Körper wäre ein Hochleistungslabor.

Die italienischen Ermittler halten sich bedeckt, doch ihre Tonbandprotokolle kreisen um zwei Begriffe: hypoxische Synkope und nächtliche Bradykardie. Fachleute wissen: Beides kann durch abrupte Sauerstoffentzüge ausgelöst werden. Die Maske war auf 7 000 Meter justiert – das entspricht der Andenhöhe von La Paz, nur dass man dort atemschutzverbotene Hotelsuiten nicht buchen kann.

Norwegens Verband reagierte post mortem mit einem Sofortverbot. Symbolik pur. Denn das Gerät ist längst im Peloton der Biathleten angekommen, wo Wettkampfdruck und Instagram-Fitness verschwimmen. Ein Athlet berichtete anonym, dass manche Läufer die Masken während Netflix-Marathons trugen, „um die roten Blutkörperchen zu boosten“. Die Logik: Wer im Liegen schon 4 000 Meter erduldet, lacht über 1 200 Meter auf der Rennstrecke.

Der preis der grauzone

Der preis der grauzone

Die FIS, das IBU-Medikationskomitee und die Nationalverbände haben keine klare Regel. Es gibt keine Dopingliste für Sauerstoffmangel. Also nutzen Athleten eine Lücke, die größer ist als der Holmenkollen-Schanz. Bis ein Tod sie schließt.

Bakkens Vater hat angekündigt, zu klagen. Die Maske wurde als Beweisstück sichergestellt. Die Seriennummer führt zu einem Onlineshop in Colorado, der seine Produkte mit dem Slogan „Train like a Navy Seal“ bewirbt. Dort kostet der Tod 399 Dollar, inklusive Wandhalterung.

Die norwegische Staffel wird am Wochenende in Oslo laufen – mit schwarzen Armbinden, aber ohne Antwort. Die Weltcup-Punkte zählen weiter, während in Trentino die Staatsanwältin Akten sortiert. Ihr letzter Bericht fällt Anfang März. Dann wird stehen, ob Bakken erstickt ist an Ehrgeiz oder an einem billigen Plastikventil.

Die Szene schweigt, weil jeder weiß: Die nächste Maske liegt schon im Skiroller-Koffer. Und der Knopf für 7 000 Meter leuchtet verführerisch grün.