Norwegen löst sich von jonas wille – der thron wackelt, die kandidatenliste glüht

Der norwegische Handballverband hat den Stecker gezogen. Nach zwei Jahren ohne Medaillen-Rush trennen sich die Skandinavier von Jonas Wille – und schicken sofort die Who-is-who der heimischen Coaching-Zunft ins Rennen.

Christian berge lehnt ab, aber die tür bleibt angelehnt

Berge, der von 2014 bis 2022 die Gold-Ära der „Gutta“ dirigierte, schmettert eine Rückkehr als Chef auf Vollzeit. „Ich brauche den Vereinsalltag, das Pulverduft von Kolstad“, sagt er zu TV2. Doch der Verband weiß: ein Anruf genügt, und der Europameister von 2020 könnte umschwenken – wenn die Stelle halbtags und mit familienfreundlichem Etat daherkommt.

Dahinter lauert Glenn Solberg. Der Schwede, der Norwegen 2022 zum EM-Titel co-te, hat gerade die Schweden verabschiedet und sitzt beim Olympischen Komitee. „Ich bin happy hier, klar“, sagt er, „aber der Job in Oslo ist der einzige, der mich nachts wach werden lässt.“ Verbandschef Erik Røste hat seine Nummer, nicht erst seit gestern.

Bjarte myrhol spielt den bescheidenen – und genau das macht ihn heiß

Bjarte myrhol spielt den bescheidenen – und genau das macht ihn heiß

Der 43-jährige Pokalsieger-Coach von IL Runar tut sich schwer mit dem Superlativ. „Es gibt bessere Kandidaten“, sagt der Ex-Kapitän. Die Statistik widerspricht: seit seinem Amtsantritt steht Runar in der Defensive auf Platz eins der Eliteserien, und seine Manndecker sprechen von ihm wie von einem „Handball-Taktik-Nerd“. Intern kursiert: Myrhol würde sofort unterschreiben, wenn der Verband ihm ein Staff aus Top-Analysten verspricht.

Weitere Namen? Börge Lund (Elverum) und Kristian Kjelling (Drammen) werden gehandelt, doch beide schweigen oder lehnen ab – was in Oslo als Verhandlungspoker gelesen wird. Die Deadline tickt: in 102 Tagen startet die WM-Quali gegen die Faröer. Wer auch immer das Zepter übernimmt, mietet sich in ein Zeitfenster, in dem jedes Training unter Zoom-Lupe steht.

Die Botschaft des Verbands klingt hart, aber logisch: Silber war schön, Gold ist die Rechnung. Wer die nächste Generation um Sander Sagosen und Magnus Gullerud nicht auf Medaillenkurs lenkt, fliegt schneller raus als Wille. Die Jagd nach dem letzten Prozent beginnt jetzt – und Norwegen hat den Zeitplan schon längst in die Wettkampfdatenbank gespuckt.