Nils-ole book springt vom zweitliga-undercover zum bvb-sportchef
Der Mann, der Marco Reus und Kevin Großkreutz die Pässe gab, bevor sie Weltstars wurden, übernimmt nun das Ruder bei Borussia Dortmund. Nils-Ole Book – vor 48 Stunden noch ein verschämter Name auf Elversberger Visitenkarten – ist ab sofort Sportdirektor beim größten Westfalen-Klub. Die Meldung löste am Montagabend erst Verwirrung aus, dann Begeisterung. Denn kaum jemand ahnte: Der 40-Jährige hatte sich einen BVB-Only-Ausstieg in seinen Vertrag schreiben lassen. Jetzt zieht er den Joker.
Von der regionalliga ins schwarz-gelbe herz
2017 stieg Book als Scout bei SV Elversberg ein, Liga vier, Kasse knapp, Rasen holprig. Er schaute sich Paul Wanner an, schnappte Nick Woltemade, pirschte sich an Fisnik Asllani heran. Vier Jahre später spielten alle in der 2. Bundesliga, Elversberg war aufgestiegen, Book befördert zum Sportvorstand. Saarbrücken nannte das „Projekt Wunder“. Er nannte es „systematische Neugier“. Jeden Montag saß er um 6 Uhr im Büro, analysierte Laufwege von U-17-Abwehrriesen, während andere Kaffee kochten. Die Bundesliga beobachtete schweigend. Anfragen kamen – nur Dortmund durfte klopfen.
Warum? Weil das Virus schon lange in ihm schlummerte. Geboren in Beckum, 60 Kilometer östlich vom Borsigplatz, schlenderte er als Jugendlicher durch die Südtribünen-Fotos. „Book ist Westfale, ist in Beckum geboren und ist großer BVB-Fan“, sagt Reporter Oliver Müller im Podcast „Die Dortmund-Woche“. Kein PR-Satz, sondern Biographie. Als 18-Jähriger unterschrieb Book Profi bei LR Ahlen, wurde Leistungsträger, zog 2005 zum MSV Duisburg, feierte den Aufstieg in die Bundesliga. Doch die große Karriere blieb aus. Stattdessen die zweite: Karriereende 2017, Lehrgang Sportmanagement, sofort Elversberg. Dort verband er Daten mit Bauchgefühl. Er bestellte Drohnen, ließ Spielfilme synchronisieren, schickte Analysten zu Oberliga-Spielen. Resultat: Elversberg wurde zum Umschlagplatz für Deutschlands größte Talente.

Die reus-großkreutz-connection kehrt heim
2008/09 trug Book das Ahlen-Trikot, Reus und Großkreutz flankten links und rechts. Book stand im Zentrum, legte sieben Torvorlagen für den Klassenerhalt auf. „Wir wussten, dass die beiden schneller denken als der Ball rollt“, erinnert sich Christian Wück, heute DFB-Frauen-Coach. Reus wechselte danach zu Gladbach, später Dortmund. Großkreutz direkt zum BVB, wurde Meister. Book blieb, schaffte sich ein neues Terrain. Jetzt holt der Klub das Trio zurück – nur diesmal mit Bürostuhl statt Stollenschuhen.
Seine einzige U-21-Nationalmannschaftspartie bestreitet Book 2007 neben Mats Hummels. 4:0 gegen die Schweiz. „Kleine Rand-Info, aber wir standen zusammen auf dem Platz“, sagte Hummels am Montag. Buch darf nun auch über dessen Nachfolge entscheiden, wenn die Karriere endet. Keine Nebensache in Zeiten, in denen Dortmund die Sportliche Leitung komplett umbauen will. Sebastian Kehl wurde freigestellt, die Statthalter-Suche lief monatelang. Book war nie erster auf der Liste – aber einziger mit Klausel.
Was ihn erwartet? Ein Squad voller Rohdiamanten, ein Fanblock, der Inhalte liebt statt Inhalte, ein Vorstand, der Titel will. Book bringt Geduld, Netzwerk und eine Erkenntnis mit: Talent ist nur halb wertvoll, wenn man es falsch einsetzt. Er hat bewiesen, dass er Systeme bauen kann, statt nur Namen zu sammeln. Die Frage ist nicht, ob er kann. Die Frage ist, wie schnell der BVB bereit ist, ihm echte Kompetenzen zu überlassen. Die Antwort liefert schon der erste Transferfenstertag. Dortmund verhandelt derzeit mit drei Spielern – alle stehen auf Books Elversberger Liste. Kreis schließt sich. Und dieser Kreus trägt Schwarz-Gelb.
