Neymar platzt der kragen: „es ist sehr kompliziert, ich zu sein“

Er fehlt, also schreien sie wieder. Als Neymar am Mittwoch beim Trainingsmatch von Santos nicht auflief, schwappte der Shitstorm schneller durchs Netz als ein Corner von Alisson ins Fünfer-Eck. Der Grund: eine neue Verletzungspause, die niemand außer ihm selbst komplett durchblickt. Die Reaktion des Superstars folgt postwendend – und sie ist so offensiv wie ein Dribbling gegen vier Gegenspieler.

„Wenn ich spiele, bin ich falsch – wenn ich pausiere, auch“

„Es ist sehr kompliziert, ich zu sein“, schreibt Neymar in seiner Instagram-Story und schießt damit gegen die Chronisten, die ihn entweder als Egomänen oder als Glassocke brandmarken. Der 34-Jährige, seit 2024 an Knie- und Adduktorenbeschwerden nagend, spielt mit offenen Karten: „Wenn ich verletzt spiele, bin ich inkompetent. Wenn ich auf Nummer sicher gehe, bin ich weich. Wenn ich mit Schmerzen auflaufe, gefährde ich die Karriere. Ich kann es niemandem recht machen.“

Die Zahlen sprechen für sich: seit seiner letzten Saison in Paris fehlte er in 43 % der Pflichtspiele. Santos, aktuell Drittligist, stützt seinen Invest trotzdem – bezahlt Reha-Coaches, Physiotherapeuten, gab ihm sogar eine Art Sonderurlaub, um den Körper wieder auf Weltcup-Niveau zu trimmen. Die brasilianische Presse nennt das Projekt liebevoll „Operação Neymar 26“.

Die wm 2026 ist sein privater gipfel, nicht mehr und nicht weniger

Die wm 2026 ist sein privater gipfel, nicht mehr und nicht weniger

Intern ist klar: Die Endrunde in Kanada, Mexiko und den USA ist für Neymar die letzte echte Bühne, um sich in die Geschichtsbücher zu kratzen. Acht Tore hat er bei drei Weltmeisterschaften erzielt – Rekord für die Seleção. Noch fehlt ihm der Titel. Wer ihn kennt, weiß: Er würde auch auf einem Bein spielen, nur um in zwei Jahren das silberne Stück über den Kopf strecken zu können.

Doch der Preis ist höher denn je. Die Kritiker melden sich nicht nur in Scharen, sondern auch in Stakkato. Jede Geschichte wird zur Verschwörung, jede Absage zur Charakterfrage. Neymars Antwort: „Ich muss die Geduld haben, euch auszuhalten, wisst ihr?“ Ein Satz, der zwischen Galgenhumor und Erschöpfung schwankt.

Der Countdown läuft. Knie okay, Ruf hin oder her – der eigentliche Gegner sitzt im eigenen Kopf. Wenn er es bis 2026 schafft, ist das keine Sportgeschichte, sondern eine kleine Fußball-Oper. Und wenn nicht? Dann bleibt immerhin ein Satz, der künftig in jeder Sportbiographie stehen könnte: Es ist sehr kompliziert, Neymar zu sein. Der Rest ist Schnee von morgen.