Guardiola zieht die gegenschlagfolge: „genie nur beim sieg? pew, pew, pew“

Pep Guardiola hat den Kritikern eine Breitseite verpasst – und zwar in eigener Sache. Nach dem 0:3 in Madrid und dem Sturm auf seine Aufstellung schüttelt der Manchester-City-Chef die Schultern und feuert zurück: Wer ihn beim Sieg in Newcastle noch zum „Genie“ erklärte, solle jetzt nicht den Revolver zücken.

Die Szenerie ist eindeutig: Der Champions-League-Auftakt ist misslungen, die Medienwelt zieht die Messingtrommeln auf, und die Frage nach dem „warum“ kreist um Rodri, um Bernardo Silva, um die Bank statt Erling Haaland. Guardiola lässt sich nicht in die Defensive drängen. Er kontert mit einer Stunde Pressekonferenz, die wie ein Lehrstück über Fußballwahrheiten daherkommt.

Die newcastle-keule als beweisstück

„Lest eure eigenen Kommentare vom FA-Cup-Spiel!“ fordert er die Reporter auf und schlägt mit der Newcastle-Keule aufs Podium. Drei Tage vor Madrid rotierte er, stellte Jeremy Doku und Savinho auf die Flügel, schob Nico O’Reilly als improvisierten Linksverteidiger. Das Resultat: 3:1. Die Reaktion: Jubel über die Taktik-Meisterleistung. Guardiola zitiert die Twitter-Chöre: „Oh Pep, wie brillant!“ Nun das Echo nach dem Bernabéu-Desaster: „Pew, pew, pew – als würden sie mit Maschinengewehren auf mich schießen.“

Er zieht die Kalkulation der Analysten in den Dreck. Die Statistik sei nur dann schön, wenn die Tore stimmen. „Ich kenne Rodri seit Jahren, ich kenne Fernandinho, ich kenne die Druckverhältnisse“, sagt er und deutet an, dass die mediale Kurzsichtigkeit seine taktischen Mikro-Kalküle ignoriert. „17 Jahre Champions-League-Erfahrung zählen offenbar nur, wenn man gewinnt.“

Spiegel vor den stars: bewegung statt warten

Spiegel vor den stars: bewegung statt warten

Doch Guardiola macht nicht nur die Berichterstattung, sondern auch seine Stars verantwortlich. „Die Spieler im Strafraum müssen sich vor dem Pass bewegen“, fordert er und tippt mit dem Zeigefinger auf die imaginäre Anspiellinie. „Mut und Gespür, das ist die Frage.“ Er mahnt: „Schlagt eure Gegenspieler vor dem Ball, dann trefft ihr auch.“ Die Forderung klingt wie ein Mantra, das er seit Wochen in der Kabine wiederholt. Die Umsetzung blieb im Madrid-Mahl aus.

Die Niederlage schmerzt, doch Guardiola sieht sie als Katalysator. „Wir werden besser, besser, besser – vielleicht klappt es beim nächsten Mal“, sagt er und klingt dabei nicht wie ein Motivationstrainer, sondern wie ein Wissenschaftler, der weiß, dass seine Formel stimmt, wenn nur die Variablen sich fügen.

Der Blick geht nach vorn: Gegen West Ham will er die Antwort auf dem Platz geben, nicht am Mikro. Die Kritik wird anhalten, die Trommeln werden wieder rollen. Guardiola hat sich ein Ohr zugehalten und das andere offen – für das Spiel, nicht für das Echo. Seine Devise: „Wenn das Genie nur beim Sieg gilt, dann gewinnen wir eben wieder. Punkt.“