Neuers wm-lotterie: die nominierung kommt – die wade zittert
Am Donnerstag will Julian Nagelsmann seinen WM-Kader verkünden. Manuel Neuer steht als Nummer eins auf dem Zettel – doch der Kapitän muss noch mit der linken Wade pokern. Nach dem Abbruch beim 5:1 gegen Köln trainierte der 40-Jährige nur indoor, blieb dem Rasen fern. Die Nominierung läuft parallel: 13 Uhr Pressekonferenz, 14 Uhr Bayern-Training. Timing? Glücksspiel.
Warum die angst vor einem faserriss nagelsmanns nervenkost ist
Im Klub schließt man einen Riss aus, doch die Vorgeschichte des Schlussmanns lässt selbst Optimisten schlucken. Drei Monate nach der Beckenverletzung vom Dezember 2022 ist jede Muskelreizung ein Warnruf. Neuer selbst schaltet auf Schongang: kein Risiko, kein Hauruck. Die Devise lautet „nur schmerzfrei“, sonst fliegt auch das Pokalfinale gegen Stuttgart am Samstag raus. Und dann? Dann stünde Marc-André ter Stegen bereit, die WM-Torwart-Debatte wäre vorbei, bevor sie begann.
Für Nagelsmann ist die Kalkulation dennoch simpel. Er nominiert Neuer, weil ein fitter Kapitän die Kabine stabilisiert – selbst wenn der Keeper erst in Katar richtig springt. Die Leihgabe lohnt sich: Ein Erfahrener auf der Bank wirkt beruhigend, ein Ersatztorhüter mit 119 Länderspielen ist Luxus. Die Frage ist nur, wie viel Belastung die Wade verkraftet, bevor der Flug nach Katar startet.

Bayerns pokal-finale als nebensache – für neuer zählt nur der montagstest
Montag: Behandlung in der Säbener Straße. Dienstag: Indoor-Zirkel. Mittwoch: freiwilliger Individualplan. Donnerstag: Reaktionstest. Wer den Rhythmus kennt, weiß: Das Programm ist auf Samstag ausgelegt – wenn die Wade mitmacht. Vincent Kompany gibt grünes Licht nur, wenn der Medizincheck keine Rötung zeigt. Ein Signal an Nagelsmann folgt unmittelbar danach. Kurz gesagt: Die Nominierung steht, aber der Flieger nach Katar startet nur mit Unterschrift des Physios.
Die Szenerie ist paradox. Millionen Fans diskutieren über einen Einsatz, den der Betroffene selbst noch nicht einschätzen kann. Neuer hat zwei Tage, um seinem eigenen Anspruch gerecht zu werden: immer spielen, wenn das Team ruft. Die Uhr tickt lauter als in jedem Champions-League-Finale. Wer am Samstag in Berlin steht, darf auf die WM hoffen. Wer ausfällt, schaut vielleicht doch nur im TV zu.
Am Ende zählt eine einzige Zahl: null Schmerzen. Alles andere ist PR.
